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Station 19: Konsumverein Wohlfahrt

Königsallee 178

Der "Konsumverein Wohlfahrt eGmbH", ein den Gewerkschaften nahe stehendes Unternehmen, expandierte bis 1933 zum größten Bezirkskonsumverein im Ruhrgebiet und baute ein umfassendes Netz von Läden auf, in denen Arbeiter und Bergleute Lebensmittel zu günstigen Preisen einkaufen konnten und zudem finanziell am Gewinn beteiligt waren.

Das 1914 bis 1916 an der Königsallee erbaute Verwaltungsgebäude mit großzügigen Räumlichkeiten für Bäckerei, Metzgerei, Lagerhallen, Verteilungshallen und Fuhrpark belieferte 113 Filialen in Bochum, Witten, Herne und Wanne-Eickel mit 30.000 Mitgliedern.

Nach der "Machtergreifung" wurde die gewerkschaftlich-sozialdemokratische Spitze des Konsumvereins entlassen, der Geschäftsumfang reduziert und schließlich 1941 eine "Gleichschaltung" als Filiale der "Gemeinschaftswerk Versorgungsring Bochum eGmbH" in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) vollzogen.

Dennoch blieb der Konsumverein Wohlfahrt während der NS-Zeit ein Zentrum des gewerkschaftlich orientierten Widerstands. Zahlreiche Mitglieder wurden von der Polizei verhaftet und misshandelt. Alfred Jurke und Walter Stern bezahlten ihren Widerstand mit dem Leben. Eine Gedenktafel im Gebäude erinnert an ihr Schicksal.

Der KPD-Sympathisant Alfred Jurke, seit 1922 als Bäcker beim Konsumverein tätig, bis 1933 aktiver Gewerkschafter und Betriebsratmitglied, hatte Kontakt zur kommunistischen Widerstandsgruppe um Karl Springer und war zu illegaler Arbeit im Rahmen der Arbeitsfront bereit. Er warb Mitarbeiter für die Verteilung von Schriften und organisierte den Widerstand innerhalb des Konsumvereins. Alfred Jurke wurde im August 1942 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 3. Oktober 1942 hingerichtet.

Die Gebäude des Konsumvereins sind ein besonders geschichtsträchtiger Ort und stehen heute als anspruchsvolle Architektur und bedeutende Zeugnisse der Bochumer Geschichte unter Denkmalschutz. 1962 wurde der Konsumverein Wohlfahrt nach wirtschaftlichen Problemen von der Konsumgenossenschaft Dortmund-Hamm übernommen und 1969 in die COOP-Dortmund integriert. Die alte Zentrale an der Königsallee und zahlreiche Verkaufsstelle wurden aufgegeben.
Nachdem die G DATA Software AG bereits viele Jahre Teilmieter des Areals war, hat das Unternehmen 2014 (100 Jahre nach der Grundsteinlegung) das insgesamt 2,3 Hektar große Gelände an der Königsallee gekauft und gestaltet es zum G DATA Campus um. Fast 400 Mitarbeiter sind von hier aus für den Sicherheitssoftwarehersteller tätig. Mit der Standortexpansion beabsichtigt G DATA die Mitarbeiterzahl in den kommenden Jahren zu verdoppeln.

Gestern und heute


Historische Außenaufnahme eines großen, mehrstöckigen Gebäudes
Gesamtansicht des Konsumvereins Wohlfahrt, um 1925

GDATA Campus Luftbild
Bürokomplex und heutiger Sitz der Firma
G DATA, 2016