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Station 7: Synagoge und jüdische Schule

Huestraße / Dr.-Ruer-Platz
Historischer Anfahrtsplan zur Synagoge in der Bochumer Innenstadt
Die Lage der Synagoge in der Bochumer Innenstadt,1909

Die alte Bochumer Synagoge lag an der Schützenbahn (heutige Haus-Nr. 1). Sie lässt sich seit 1765 nachweisen. Damals wohnten sieben jüdische Familien, rund 50 Personen, in Bochum, die vor allem als Schlachter, als Geldverleiher und Händler tätig waren. Jüdisches Leben in Bochum existierte aber schon früher. Bereits im ausgehenden 16. Jahrhundert hielten Juden in Bochum Gottesdienste in einemBetraum ab, nachweislich seit 1650.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war infolge der Industrialisierung und ermöglicht durch eine liberalere Judengesetzgebung die Zahl der jüdischen Einwohner auf über 200 angestiegen. 1871 zählte Bochum bereits 370 jüdische Einwohner. Bis 1895 stieg ihre Zahl nochmals auf 803 an. Das alte Gotteshaus an der Schützenbahn reichte längst nicht mehr aus. Am 28. August 1863 war daher eine neu erbaute Synagoge an der damaligen Wilhelmstraße 18 eingeweiht worden, die 1896 nochmals vergrößert und umgebaut wurde. Ein weiterer Umbau erfolgte 1925.

Zusammen mit der Synagoge war 1863 auch ein neues Schulgebäude eingeweiht worden. Die jüdische Schule lag in unmittelbarer Nähe der Synagoge, an der Wilhelmstraße 16. Zunächst beherbergte sie nur einen Unterrichtsraum und eine Lehrerwohnung. Nach mehrmaligem Umbau und Ausbau hatte die jüdische Volksschule drei Unterrichtsräume und bot Platz für 100 Schüler. In dem Gebäude waren außer demBüroräume für die Gemeindeverwaltung, die Lehrerwohnung, die jüdischeWanderfürsorgestelle, die Gemeindebibliothek und ein Kinderhort untergebracht. Ihre höchste Mitgliederzahl (1.244) erreichte die Bochumer jüdische Gemeinde 1930.

Nur wenige Jahre später, mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten, begann auch für die jüdischen Bochumer der Prozess der Entrechtung, Verdrängung und Verfolgung.Stationen dieser Entwicklung waren: die mit dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" beginnenden Beschränkungen und Berufsverbote, der großangelegte Boykott gegen jüdische Geschäfte, Kanzleien und Praxen am 1. April 1933, der die Bochumer Juden in ihrer Gesamtheit traf und zu Ausschreitungen gegen einzelne jüdische Bürger führte, die Nürnberger "Rassegesetze" von 1935, die den jüdischen Deutschen ihre staatsbürgerlichen Rechte nahmen, Zwangsverkäufe jüdischen Eigentums, die als so genannte "Arisierung" zu einer gewaltigen Umschichtung ehemals jüdischen Grundbesitzes und Vermögens führten. Durch massive Einmischung der NSDAP-Gauleitung war unter anderem auch das im Besitz der jüdischen Familie Alsberg befindliche gleichnamige Kaufhaus "arisiert" und in die Kortum AG umgewandelt worden. Weitere Enteignungen folgten. Durch den Erwerb zahlreicher ehemals jüdischer Grundstücke weit unter Wert profitierte auch die Stadt Bochum.

Historische Aufnahme von der, bis auf die Grundmauern niedergebrannten, Synagoge. Überreste der Synagoge und Geröll sind zu erkennen.
Die zerstörte Synagoge, 10. November 1938

Mit der Zerstörung der Synagogen in ganz Deutschland in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erreichte die Verfolgung der Juden einen vorläufigen traurigenHöhepunkt. Auch die Bochumer Synagoge wurde von SA-Leuten und Sympathisanten bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die relativ große Synagoge war den Nationalsozialisten in Bochum seit langem ein Dorn im Auge gewesen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich in einem Gebäude direkt gegenüber die Gauleitung der NSDAP befand. In derselben Nacht wurden zahlreiche jüdische Wohnungen und Geschäfte demoliert und ausgeplündert, jüdische Bürger schikaniert und misshandelt. Die erwachsenen jüdischen Männer wurden verhaftet, ins Polizeigefängnis gebracht und anschließend ins Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen deportiert. Viele nichtjüdische Bochumer schauten bei den Pogromen zu oder beteiligten sich. Die Zahl der jüdischen Einwohnerschaft Bochums hatte sich seit 1933 nahezu halbiert. Durch Emigrationen und die Ausweisung der aus Polen stammenden "Ostjuden" lebten im Oktober 1938 noch 644 Juden in Bochum.

Historische Außenaufnahme der jüdischen Schule an der Wilhelmstraße
Die jüdische Schule an der Wilhelmstraße, 1913. Heute steht auf diesem Grundstück die SEB Bank AG

Die jüdische Volksschule wurde während des Novemberpogroms ebenfalls verwüstet. Ihr Hauptlehrer Erich Mendel wurde verhaftet und die Schule 1939 geschlossen. Bis 1941 führte die Lehrerin Else Hirsch sie als private Schule weiter. Danach wurde das Gebäude zum so genannten "Judenhaus" umfunktioniert. Im Jahre 1942 lebten dort 13 jüdische Familien.

1947 wurde die Wilhelmstraße nach dem Bergarbeiterführer Otto Hue (1868-1922) in Huestraße umbenannt. Am 10. November 1968 wurde an der Seitenwand des Geschäftsgebäudes an der Huestraße 30 eine Gedenktafel zur Erinnerung an die zerstörte Synagoge angebracht. Nach den Worten des damaligen Oberbürgermeisters Heinemann während der Einweihungsfeier sollte sie "nicht nur der Erinnerung dienen", sondern "zugleich auch Mahnung und Verpflichtung sein".

Gestern und heute


Historische Außenaufnahme der prunkvollen Synagoge mit zwei Türmen
Die Synagoge an der Wilhelmstraße, um 1920
Teilaufnahme der Huestraße mit Blick auf die an einer Hauswand angebrachte schwarze Gedenktafel.
Gedenktafel an der SEB-Bank, Huestraße, 2005