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Ein Deutscher am Zarenthron - Heinrich Graf Ostermann und seine Zeit - Die phantastische Karriere eines Bochumer Pastorensohns

Kulturhistorische Ausstellung 25. März bis 10. Juni 2001


Presse-Information

Presse Fotos
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Stadtarchiv Bochum
Kronenstraße 47 - 49
44789 Bochum

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10:00 bis 18:00 Uhr,
Sonn- und Feiertags 14:00 bis 18:00 Uhr

E-mail: stadtarchiv@bochum.de
Ausstellungshalle: 0234/30 02 73
Telefon: 0234/910-3899
Fax: 0234/910-3906

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Heinrich Graf Ostermann aus Bochum, muss bei Nacht und Nebelaus seiner Heimat fliehen und kommt über Holland nach Russland.Dort macht er eine schier unglaubliche Karriere: er bringt es unterZar Peter dem Großen und dessen Nachfolgern zu höchsten Ehren,zu Macht und Reichtum. Über zwei Jahrzehnte lang kann er dieFäden der russischen Politik in der Hand halten und sich im Glanzdes höfischen Lebens sonnen. Dann wird er gestürzt, zum Todeverurteilt und schließlich zur Verbannung nach Sibirien begnadigt.Hier ist er einsam und verarmt 1747 gestorben: Ein faszinierendes,zugleich vielfach gebrochenes Lebensschicksal in einer von starkenUmbrüchen gekennzeichneten Zeit.
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Wer war dieser Heinrich Ostermann - oder wir er sich in Russland nannte - Andrej Iwanowitsch Ostermann?

1687 in Bochum geboren, stammte Ostermann aus einer angesehenenFamilie, die Bürgermeister, Advokaten, Richter, Pfarrer hervorgebrachthat. Sein Großvater und sein Vater waren lange JahrePastoren an der evangelischen Pauluskirche in Bochum. Nach seinerSchulausbildung an den Gymnasien in Soest und Dortmund gingOstermann an die Universität Jena, um Jura zu studieren. Hier ereignetesich jener tödliche Zwischenfall, der sein weiteres Lebenradikal verändern sollte: Im Streit und in "großer Trunkeneheit"erstach er einen Kommilitonen.

Heinrich Ostermann, damals noch keine 16 Jahre alt, tauchte unterund floh nach Amsterdam. Dort ließ er sich als Untersteuermann inder russischen Marine anheuern.

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In Russland lernte Zar Peter der Große den intelligenten, sprachbegabten,fleißigen Ostermann kennen und schätzen. Er machte ihnzum Sekretär und Ratgeber in außenpolitischen Fragen, schickte ihnals Emissär an die wichtigsten Höfe Europas, ließ ihn in Verhandlungenzur Beendigung des Nordischen Krieges führen. Der Friedensvertrag mitSchweden in Nystadt 1721 war das Meisterstück desjungen Diplomaten Ostermann, der nun eine schnelle Karriere amZarenhof machte: Er wurde zum Vizekanzler und Außenministerernannt, in den erblichen Grafenstand erhoben und mit einer Frauaus dem russischen Hochadel verheiratet. Schließlich stieg er zumPremierminister und Generaladmiral auf und wurde so für die gesamte russische Politik zuständig - im Innern wie nach außen. Sein Einfluss und seine Machtfülle waren schließlich so groß, dass er als der "ungekrönte Kaiser" Russlands galt.

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Das brachte aber auch sein schnelles Ende: Vor 260 Jahren wurdeOstermann nach einer Palastrevolte gestürzt und schließlich in dieVerbannung geschickt: steiler Aufstieg und tiefer Fall.

Später wurde Ostermann rehabilitiert. Unter Katharina der Großenmachten die Söhne Ebenfalls eine große politische und militärischeKarriere. Es kam zu Heiratsverbindungen mit der Adelsfamilie derTolstoj und mit der Fürstenfamilie der Golizyn. Letztendlich: einegelungene deutsch-russische Erfolgs- und Integrationsgeschichte.

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Bedeutung Ostermanns


Ostermann hat fünf russischen Herrschern gedient: Peter dem Großen,Katharina I., Peter II., Anna Ioannowna, Iwan VI. In einer äußerstinstabilen Übergangszeit nach dem Tod Peters des Großenwar Ostermann der Garant für politische Stabilität und Kontinuität. Erschuf einen modernen diplomatischen Dienst, verteidigte mit allenMitteln die eingeleitete Westöffnung und die errungeneGroßmachtstellung Russlands und trieb gegen vielerlei Widerstände dieinnereModernisierung des Landes auf vielen Ebenen weiter voran. In denJahren 1725 bis 1740 war Ostermann nicht nur einer der wichtigstenPolitiker Russlands, sondern ein Staatsmann von europäischemRang und Ansehen.
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Als aufgeklärter, philosophisch reflektierender Staatenlenker undErzieher Peters II. versuchte er, das Bild eines "idealen Herrschers"zu entwerfen und die Politik insgesamt auf Vernunft und Staatsräsonzu gründen.

Als Wanderer zwischen den Welten, als Deutscher und als Russewurde er zu einem wichtigen Exponenten und entscheidenden Förderer der deutsch-russischen Beziehungen. Dadurch behält seinWerk nicht nur Gültigkeit für das 18. Jahrhundert, sondern auch fürdie heutige Zeit.

Dr. Johannes Volker Wagner
Direktor des Stadtarchivs Bochum

Aus russischen und deutschen Schatzkammern:Glanz in Bochumer Industrieräumen


Ausgesuchte Exponate, die zum großen Teil noch nie in Deutschlandzu sehen waren, werden in einer Ausstellung gezeigt, die inszenatorisch den schwierigen und zugleich beeindruckenden LebenswegOstermanns nachzuvollziehen sucht. Die hervorragenden Stückestammen zumeist aus Moskau: Gegenstände des russischen Hofs,Krönungsbecher und Kleidungsstücke, Gerätschaften und Waffen,Ikonen und liturgische Objekte, Staatsverträge und administrativeDokumente, Porträts von Herrschern und Herrscherinnen, von Mitstreitern und Gegnern des Grafen Ostermann, Einblicke in seinenprivaten Lebensbereich und ein seine dienstliche Korrespondenz;auch: Zeugnisse aus seiner Bochumer Kindheit und Jugend sowieaus jenen Städten in denen sich Teile seines Lebens abgespielthaben: Soest, Dortmund, Jena, Amsterdam, St. Petersburg, Moskau,Beresow in Sibirien.

Damit werden zum ersten Mal aus russischen und deutschen Museen und Archiven die Schätze gehoben, die das Werk Ostermannserläutern und zugleich die höchst spannende Übergangszeit vonPeter dem Großen zu Katharina der Großen eindrucksvoll darstellenkönnen.