Antrittsrede von Dietmar Dieckmann als neuer Dezernent für Bildung, Kultur und Sport in der Sitzung des Rates der Stadt Bochum am 26. April 2018

Es gilt das gesprochene Wort:


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,

Warum ausgerechnet Bochum? Warum ein Wechsel auf die kommunale Ebene? Das hat man mich in der letzten Zeit häufiger gefragt.

Nach 16 Jahren in Düsseldorf war ich auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung. Die ausgeschriebene Stelle des Dezernenten für Bildung, Kultur und Sport fand ich in vielfacher Hinsicht sehr reizvoll und ich freue mich, dass ich jetzt bald mit den neuen Aufgaben starten kann.

Zum einen sind es die Themen, die mich begeistern. Im ehemaligen Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport haben wir die Bereiche Bildung, Kultur und Sport zusammengedacht und dafür den Begriff „Lebensbildung“ geprägt.

Wer nur auf jeden der Bereiche einzeln schaut, springt zu kurz. Er sieht nicht die Chance, die in einer engen Verknüpfung von Bildung, Kultur und Sport besteht und wie spannend die Verbindungen zwischen ihnen sind.
Und natürlich begeistert mich Bochum. Und das schon eine kleine Ewigkeit. Schon Anfang der 80er Jahre zog es mich ins Schauspielhaus und in die Zeche Bochum. Oder in das Bergbaumuseum und ins Planetarium. In den letzten Jahren wurde die Jahrhunderthalle einer meiner Lieblingsorte.

Bochum ist die Stadt, die den Wert von Kultur, Sport und Freizeit viel mehr als andere Kommunen als Frage von Lebensqualität und Identifikation, als Standortfaktor und entscheidend für die Stadt- und Wirtschaftsentwicklung erkannt hat.

Und jetzt macht sich die Stadt mit der Bochum Strategie auf den Weg ihr Profil weiter zu schärfen, ihre Stärken zu identifizieren und in einem großangelegten Beteiligungsprozess weiterzuentwickeln.

Ein Bespiel: Mit der Kernaktivität „Haus des Wissens“ gilt es im Rahmen der Strategie die Stadtbücherei und die VHS in eine neue und moderne Zukunft zu führen. Dies allein ist für einen neuen Dezernenten schon eine besondere und reizvolle Aufgabe. Gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Netzwerk UniverCity Bochum werden wir dieses tolle Projekt nach vorne bringen.

Die Bochum Strategie ist ein sehr aufwändiger Prozess, der bestimmt nicht in jeder Stadt so angegangen, aber vielleicht auch nicht in jeder Stadt funktionieren würde. Doch hier ist es für Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich, Stadtentwicklung aktiv mitzugestalten, sich mitverantwortlich zu fühlen, einzubringen - und das auch finanziell.

Wo sonst haben jemals über 22.000 private Spender mit einer Summe von 12,8 Millionen Euro ein Musikforum mit ermöglicht?

Wo sonst entstehen aus kleinen, verrückten Ideen immer wieder Modellprojekte mit bundesweiter Strahlkraft wie z.B. Urbanatix?

Bochum ist eine Stadt, in der trotz aller finanziellen Probleme eine Aufbruchstimmung herrscht.

Als Dezernent kann ich aktiv mitgestalten und an der konkreten Umsetzung von Projekten arbeiten - im unmittelbaren Dialog mit allen Beteiligten.

Ich übernehme ein sehr gut und breit aufgestelltes Arbeitsfeld. Aber eben auch eines, das Herausforderungen hat, in dem es gilt „anzupacken“.

Hier wird es neben aller notwendigen Weiterentwicklung auch darum gehen, Bewährtes zu schützen und zu stärken.

Das gilt für die vielfältige Freie Kulturszene ebenso wie für „die großen Tanker“ Schauspielhaus, Bochumer Symphoniker und Musikforum, die Museen, das Planetarium. Das gilt ebenso für den wichtigen Bereich der Bildung und für die lebendige Sportlandschaft.

Apropos Sport:


Bochum ist mitnichten nur Kultur-, sondern auch Sportstadt! Hier gibt es unzählige Vereine, die ganz ohne Werbe- und Fernsehmillionen zum Teil sogar international Erfolge feiern: Sei es die Leichtathletik mit olympischen Medaillen, der Tanzsport, Billiard, Wasserball oder Basketball.

Das sind Sportarten, die zwar nicht so sehr im Fokus der großen Öffentlichkeit und der Sponsoren stehen, aber eine hervorragende Nachwuchs-, Förder- und auch Integrationsarbeit leisten. Auf sie müssen wir in Zukunft noch gezielter unser Augenmerk richten. Dabei ist eines ganz wichtig: Die Rahmenbedingungen für den Sport und für das damit verbundene Ehrenamt müssen stimmen.

Im Rahmen eines sportpolitischen Dialogs möchte ich mit den handelnden Akteuren die Zukunftspotentiale des Sports weiter entwickeln.

Apropos Bildung:


Bildung ist Grundlage für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, für ein selbstbestimmtes Leben. Und sie ist Grundlage für soziale Teilhabe und sozialen Aufstieg. Damit kommt meinem Dezernat eine große Verantwortung zu. Der Bereich Schule als wichtiger Baustein der Bildung ist ein zentraler Bestandteil des Dezernates mit vielfältigen Aufgaben und Anforderungen, aber auch riesigen Chancen.

Kaum je wurde die Debatte um Inhalte und Ausstattung unserer Schulen so vehement geführt wie derzeit und kaum je waren Fördertöpfe so gut ausgestattet, um Schule in Sachen Infrastruktur und Digitalisierung fit zu machen.
Stichwort Investitionen: In den letzten 8 Jahren hat die Stadt bereits rund 265 Mio. Euro in Schulen investiert; allein über die Förderprogramme kommen in den nächsten Jahren unabhängig von den sowieso etatisierten Sanierungsmitteln noch einmal mindestens 100 Mio. EUR hinzu.

Stichwort Digitalisierung: Hier sind die ersten wichtigen Schritte getan, weitere müssen folgen, um dem Anspruch von GigabitCity gerecht zu werden.

Stichwort Schulentwicklungsplanung: Auch hier ist schon vieles auf den Weg gebracht: Der SEP Grundschulen befindet sich derzeit im Abstimmungsprozess; der der weiterführenden Schulen ist in Arbeit.
Stichwort Gesamtschulen: Vier haben wir schon in Bochum; eine fünfte im Bezirk Mitte nimmt zum Sommer ihren Betrieb auf.

Es tut sich viel, gleichwohl sind auch die Herausforderungen groß: Die weiteren Stichworte lauten hier: Inklusion, Segregation & Integration, Offene Ganztagsschule, kommunale Präventionsketten, demografischer Wandel, Digitalisierung und die Rückkehr zum G9.

Die Kommunalpolitik hat schon längst verstanden, dass es nicht nur darum geht, die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Für eine gelingende kommunale Bildungspolitik benötigen wir ein vernetztes System von Erziehung, Bildung und Betreuung in einer kommunalen Bildungslandschaft.

Die Stichpunkte für die kommunale Bildungslandschaft lauten:

  • Alle Bildungsakteure arbeiten zusammen
  • Kein Abschluss ohne Anschluss
  • kulturelle Bildung und den Sport mitdenken
  • Jugendarbeit ebenso wie Eltern bzw. Familie einbinden
  • Qualitätssicherung über Bildungsmonitoring bzw. Bildungsberichterstattung

Es gilt Bochum als bildungspolitischen Akteur weiter zu stärken, damit jedes Kind dieser Stadt eine gute persönliche Bildung erfahren kann.

Apropos Kultur:


In Bochum haben – ich habe es eingangs schon aufgezeigt – Kunst und Kultur eine immens große Bedeutung. Neben den städtischen und den kommerziellen Angeboten gibt es eine unglaublich breit und gut aufgestellt freie Szene.

Dieses kulturelle Angebot ist ein großer Reichtum für Bochum. Es schafft Lebensqualität, ist ein wichtiger Motor für unsere Gesellschaft im Wandel und nicht zuletzt ein wichtiger Standortfaktor.

Eine kreative und innovative Kulturpolitik fördert und unterstützt die kulturelle Vielfalt. Hier bleibt die Aufgabenstellung: Wie kann das für Kunst und Kultur gut bestellte Feld weiter zukunftsfest entwickelt werden? Und: Wie gelingt es, noch mehr Menschen, ob jung ob alt, eine Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen?

Bei der Beantwortung dieser Fragen wird das Konzept der Kulturentwicklungsplanung eine wichtige Rolle spielen.

Ein Kulturentwicklungsplan liefert nicht nur eine Zustandsbeschreibung und eine Einschätzung von Entwicklungen. Darüberhinaus formuliert er Ziele, beschreibt Maßnahmen und Projekte und er ist ein Instrument der Partizipation.

Ich will dieses wichtige Projekt gern vorantreiben und dies ganz eng mit der Bochum Strategie verzahnen. Hierzu werde ich zeitnah einen Vorschlag unterbreiten, wie die Arbeit an dem Kulturentwicklungsplan aussehen kann.

Und einen weiteren Bereich will ich ausdrücklich erwähnen: Die kulturelle Bildung: Kulturelle Bildung ist unverzichtbar. Sie ist ein Baustein einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung. Kulturelle Bildung gehört deshalb in ein Gesamtkonzept einer kommunalen Bildungslandschaft.

In den vergangenen Wochen habe ich zahlreiche Gespräche geführt. Auch sie haben mir gezeigt: Was hier in Bochum möglich ist, zeugt nicht nur von einer gemeinsamen Vision, sondern auch von einem „Hand in Hand“ von Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Insofern freue ich mich nicht nur sehr auf das facettenreiche Aufgabenfeld, sondern auch auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.