Blaue Linie 22

Inhaltsverzeichnis



Weitmarer Holz

Landschaftsaufnahme im Weitmarer Holz
Das circa 80 Hektar große Weitmarer Holz ist der Restbestand eines ehemaligen großen Waldgebietes, das sich von Weitmar-Mark und Neuling über Sundern bis nach Linden hinzog. Dabei handelte es sich überwiegend um einen genossenschaftlich genutzten und verwalteten Waldbezirk, entlang der Grenze mit Wiemelhausen und Stiepel, als Grenz- und Gemeinschaftsland "Mark" genannt. Nach überlieferter Markordnung wurden die Markangelegenheiten unter dem Vorsitz des Holzrichters (das war stets der Besitzer des Hauses Weitmar) geregelt.

Markgenossen waren die in Bauernschaft Weitmar erbeingessenen Bauern, später auch einige Hofbesitzer aus Bochum. Ihre erblichen Anteilsrechte (Holz- und Weidennutzung) waren nach der Wirtschaftsgröße der Höfe festgelegt. Durch regellose Holzungen und Viehhütungen war die Weitmarer Mark um 1650 ziemlich heruntergewirtschaftet. Im Zuge der bergbaulichen Entwicklung wurde auch die "Mark" gemäß königlichem Erlass vom 12. Juni 1756 in den handlungsfreieren Privatbesitz überführt. Nach dem erst 1829 abgeschlossenen Teilungsprozess erhielten 21 Markgenossen anteilige Holz- und Landzuweisungen. Das aufstehende Holz ist danach fast restlos abgehauen worden, auf den freigelegten Waldflächen entstanden Bergmannshäuser, seit 1871 Bergmannssiedlungen der Zeche Prinz-Regent. Noch während des Markenteilungsverfahrens (1817 bis 1829) wurde als Landstraße zur Brenscheder Heide die heutige Markstraße gebaut.


stadtplan_klein.jpg
Lage im Stadtplan
logo_vrr_klein.jpg
Anfahrt mit Bus und Bahn
Hinweis: Sie verlassen den Internet-Auftritt der Stadt Bochum.
mit dem Fahrrad


Jörgenstein, Bliestollen

Bliestollen im Weitmarer Holz
Mit dem Bergbau hat der 120 Zentner schwere eiszeitliche Findling aus Seynit zu tun, der auf einer kleinen Waldwiese im Weitmarer Holz in unmittelbarer Nähe des Weges liegt, der von der Blankensteiner Straße abgeht und zum Bliestollen führt. Der Stein erinnert an Jörgen, einen kleinen Ziegenhirten, der der Legende nach im Weitmarer Holz die Kohle entdeckt hat. Darüber hinaus erinnert der Findling aus dem Odenwald auch an den Bochumer Heimatdichter Georg Breuker (1876 bis 1964), der dem kleinen Jörgen in seinem Roman "Der kleine Robinson" ein literarisches Denkmal gesetzt hat.


stadtplan_klein.jpg
Lage im Stadtplan
logo_vrr_klein.jpg
Anfahrt mit Bus und Bahn
Hinweis: Sie verlassen den Internet-Auftritt der Stadt Bochum.
mit dem Fahrrad


Haus Weitmar / Sylvesterkapelle

Unweit des Weitmarer Holzes, versteckt hinter den großen alten Bäumen des Park Haus Weitmar, liegen zwei Baudenkmale, die in Bochums Geschichte eine bedeutende Stellung einnehmen: die Schlossruine und die Sylvesterkapelle.

Luftaufnahme der Ruine des Lehngutes Haus Weitmar mit Kubus. Per Klick verlassen Sie den Internet-Auftritt der Stadt Bochum.
Wie auch Haus Kemnade war Haus Weitmar um die Jahrtausendwende ein Lehnsgut. Ursprünglich handelte es sich um ein Bauerngehöft, den Schultenhof in Weitmar. Dieser Hof wird bereits im 11. Jahrhundert erwähnt.

Zusammen mit dem Weitmarer Holz gehörte es zur Abtei Werden und wurde als Lehnsbesitz an Adelsfamilien vergeben. Die Familien wohnten zunächst nicht selbst auf dem Hof, sondern ließen ihn von einem Bauern, dem Schulten von Weitmar, bewirtschaften.

Aus diesem Schultenhof entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der erste Rittersitz Haus Weitmar. Im Mai des Jahres 1464 erhielt der Amtmann des märkischen Amtes Bochum, Wennemar von der Brüggeney genannt Hasenkamp, die Erlaubnis, auf dem Schultenhof in Weitmar ein neues Wohnhaus zu errichten. Das eigentliche Familienstammhaus auf der Flur Hasenkamp in Stiepel war baufällig.

Als die Arbeiten an dem neuen Wohnhaus im Jahre 1464 begannen, war der Hof noch im Lehnsbesitz der Familie von Galen. Diese verzichtete jedoch auf ihre Rechte und so belehnte der Abt zu Werden 1481 Wennemar von Hasenkamp mit dem Schultenhof zu Weitmar und gleichzeitig mit dem Holzrichteramt der Weitmarer Mark und dem Hof Bisping, der ebenfalls zur Abtei Werden gehörte. Aus diesem Lehnsbesitz und dem Eigenbesitz derer von Hasenkamp entstand das Rittergut Weitmar, weithin schon damals unter dem Namen Haus Weitmar bekannt.

Landschaftsaufnahme im Park Haus Weitmar
Mehr als 100 Jahre später, im Jahre 1592, erbaute Johann von Hasenkamp in einer Geländemulde auf dem alten Hofplatz ein neues festes Haus, dessen Ruine wir heute im Park Haus Weitmar betrachten können. Das zweistöckige einfache Wohnhaus war aus Ruhrsandstein errichtet und mit einer die westfälischen Adelssitze kennzeichnenden Gräfte umzogen. Diese Gräfte ist heute versunken.

Nach 300jährigem Besitz starb 1765 mit dem Tod des unverheirateten Johann von Hasenkamp das Geschlecht der Hasenkamps in Haus Weitmar aus. Zunächst übernahm das Kloster Werden die Betreuung des Schlosses und der Güter. Nach zehn Jahren erwarb es dann ein Herr von Vaerst, der sich auch von der immer noch bestehenden Lehnsherrschaft der Abtei Werden freikaufte. Die Familie Vaerst lebte jedoch auch nur sechs Jahre auf Haus Weitmar und verkaufte den Besitz im Jahre 1780 an Friedrich von Berswordt-Wallrabe, den Stifter der Familienlinie Weitmar. Nachdem Friedrich von Berswordt-Wallrabe im Jahre 1848 die Erbtochter Phillipine von Syberg heiratete, kam auch das Haus Kemnade in seinen Besitz, das die Stadt Bochum 1921 kaufte. Haus Weitmar ist im Eigentum der noch heute dort ansässigen Familie von Berswordt-Wallrabe geblieben.

Ruine der Sylvesterkapelle im Park Haus Weitmar
Neben der Schlossruine sind die Reste der Sylvesterkapelle zu sehen. Das genaue Alter der Kapelle ist nicht bekannt; wie eine Urkunde des Jahres 1397 bezeugt, hat sie um diese Zeit jedoch schon bestanden. Zur Zeit Wennemars von Hasenkamp (1464) wurde die Kapelle zu einer katholischen Filialkirche der Stammpfarre Bochum ausgebaut. Im Zuge der Reformation kam sie in den Besitz der lutherischen Gemeinde,und zwar spätestens im Jahre 1572 mit der Anstellung des ersten lutherischen Pastors.

Der bauliche Verfall der Kirche führte dazu, dass die evangelische Kirchengemeinde in den Jahren 1866 bis 1868 an anderer Stelle die heutige Matthäuskirche baute und den Kirchenbesitz mit der Kirchenruine im Jahre 1890 an Ludwig von Berswordt verkaufte. Die Familie Hasenkamp, die nach der Reformation katholisch geblieben war, errichtete für den katholischen Bevölkerungsteil auf dem Hofgelände des Hauses Weitmar im Jahre 1748 eine weitere Kapelle. Diese wurde nach dem Bau der Franziskuskirche in ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude einbezogen.

Bei einem Fliegerangriff am 13. Mai 1943 wurde auch Haus Weitmar getroffen. Bis auf die Umfassungsmauern wurden das alte Schloss und die Kapelle - und damit auch unersetzliche kulturelle und materielle Werte - zerstört.

Erhalten geblieben sind im Park Haus Weitmar mehrere, zum Teil jahrhundertealte Bäume. Diese Naturdenkmale mit bizarren Baumkronen und -stämmen laden zu einem beschaulichen Spaziergang durch den Park.

Seit April 2010 ist der Park um eine Sehenswürdigkeit reicher: In die Schlossruine wurde ein Museum gebaut. Der Kubus bietet auf einer Fläche von etwa 1.200 Quadratmeter (verteilt auf vier Ebenen) Raum für Ausstellungen und andere Veranstaltungen; daneben beherbergt er Büros, ein Lager mit Rahmen- und Restaurierungswerkstatt, Gäste-Apartments für Künstler und Wissenschaftler aus aller Welt sowie ein kleines Bistro.

Nach der Fertigstellung des Kubus’ erfolgt ab März 2011 eine Neugestaltung und Erweiterung der Parkanlage. Die Eingänge in den Park werden verbessert und sollen damit auffindbarer sein. Mit dem Abschluss der Umgestaltungsarbeiten des Parks ist im Frühjahr 2012 zu rechnen.

stadtplan_klein.jpg
Lage im Stadtplan
logo_vrr_klein.jpg
Anfahrt mit Bus und Bahn
Hinweis: Sie verlassen den Internet-Auftritt der Stadt Bochum.
mit dem Fahrrad


Museum unter Tage

Museum unter Tage - Innenaufnahme

Unterirdische Ausstellungsräume finden Besucher im Park Haus Weitmar seit dem 14. November 2015: Das Museum unter Tage (MuT) öffnete seine Pforten. Und mit ihm die Dauerausstellung „Weltsichten - Landschaft in der Kunst seit sechs Jahrhunderten“. Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde das abschließende Erweiterungsgebäude von Situation Kunst pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) fertig gestellt.

Der unterirdische Sitz integriert das Gebäude in die Landschaft und verschafft Besuchern einen Ort der Erholung und Kunstbetrachtung. Name und Ort des Museums knüpfen an die Bergbau-Tradition des Ruhrgebiets an. Oberbürgermeister Thomas Eiskirch stellt fest: „Das Museum unter Tage beherbergt nicht nur hervorragende Kunstwerke, sondern ist selber ein interessantes Kunstwerk. Seine Architektur integriert sich in den sehr gelungenen Umbau der Schlossruine und des Parks. Das MuT macht Mut für die weitere spannende und facet-tenreiche Entwicklung der Stadt.“ Auf über 1.350 Quadratmeter Ausstellungsfläche dienen zwei Drittel der Präsentation von „Weltsichten“. Die Schau umfasst über 350 Werke vom 15. Jahrhundert bis heute. Ihr Spektrum reicht vom klassischen Ölgemälde bis zur raumfüllenden Video-Sound-Installation, vom Goldenen Zeitalter der holländischen Malerei bis zu den Um-weltkatastrophen der Gegenwart. Im Museum unter Tage sind neben „Weltsichten“ künftig Wechselausstellungen zu sehen.

Das Museum unter Tage
Das Architekturkonzept für das Ensemble aus "Kubus" und Museum unter Tage entwickelte Prof. Herbert Pfeiffer aus Lüdinghausen. Die Umsetzung des Entwurfes übernahm das ortsansässige Architekturbüro Vervoorts & Schindler Architekten BDA. Das MuT realisierten die Stiftung Situation Kunst mit Unterstützung der Stadt Bochum, der Evonik Stiftung, der Stiftung der Sparkasse Bochum sowie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Weitere Unterstützer sind die RAG Stiftung und die Stadtwerke Bochum. Der geplante Kostenrahmen von 7,5 Millionen Euro wurde eingehalten.

Öffnungszeiten MuT
Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertags 12 bis 18 Uhr


stadtplan_klein.jpg
Lage im Stadtplan
logo_vrr_klein.jpg
Anfahrt mit Bus und Bahn
Hinweis: Sie verlassen den Internet-Auftritt der Stadt Bochum.
mit dem Fahrrad


... zum nächsten Rundgang der Blauen Linie