Andrea Schmidt

Auf Kortums Spuren quer durch Bochum

Dieser Beitrag ist eine Einladung zu einem stadthistorischen Spaziergang durch Bochum. Der Rundgang, mit Geschichte und Geschichten um den berühmtesten Bürger Bochums, Carl Arnold Kortum, führt durch die Innenstadt, in der heute nur noch wenig historische Bausubstanz erhalten ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Bochumer Innenstadt zu den am stärksten zerstörten städtischen Bereichen Deutschlands.(1) Im Wiederaufbau erhielt die Innenstadt als Geschäfts- und Verwaltungszentrum breite Straßen, eine Fußgängerzone sowie einen Umgehungsring.(2)

Der Versuch, Bochum auf Kortums Spuren zu erforschen, erfordert die Bereitschaft, mit einem rekonstruierenden Blick eine Brücke in die Vergangenheit zu schlagen.

Grundlage hierfür ist Kortums 1790 erschienene Stadtgeschichte "Nachricht vom ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt Bochum".(3) In 43 Paragraphen schildert Kortum nicht nur eine umfassende Geschichte der Stadt, sondern beschreibt auch sachlich und detailliert das Leben und die Bräuche der Bürger. Damals lebten in der Ackerbürgerstadt gerade einmal 1.474 Einwohner von denen Kortum berichtet: "Die einfache Lebensordnung welche durchgehend hier geführt wird, ist nebst der gesunden Luft von dem meist hohen Alter der Einwohner die Hauptursache."(4)

Neben der Stadtgeschichte ist vor allem Kortums 1790 gezeichneter "Grundriß der Stadt Bochum" Grundlage des historischen Rundgangs. Sämtliche Gebäude, Straßen und Plätze des damaligen Bochums sind auf dem Stadtplan erfaßt und bezeichnet. Leider ist dieser Stadtplan, dessen Original Kortum 1790 dem Archiv der Stadt Bochum schenkte, in den 50er Jahren verlorengegangen. Die vom Katasteramt angefertigte Nachzeichnung kann als relativ exakte Kopie gelten, da sie sich auf erhaltene Fotografien des Originalplans stützt.

Marktplatz und Rathaus um 1790

Beginnen wir im Zentrum der ehemaligen Altstadt, dem alten Marktplatz zwischen Propsteikirche und Bongardstraße. Im Jahre 1321 hatte Graf Engelbert II. von der Mark Bochum eine eigene Straf- und Zivilgerichtsbarkeit übertragen. Drei Jahre später verlieh er der Stadt auch das Marktprivilegium.(5) Wenn auch zu Kortums Lebzeiten noch fast jeder Bochumer Bürger wenigstens ein Stück Vieh besaß, so waren doch die meisten Einwohner im Produktions- und Dienstleistungsgewerbe tätig. Der Wochenmarkt ermöglichte den Beamten, Handwerkern, Händlern und Tagelöhnern, Lebensmittel von den umliegenden Bauernhöfen zu erwerben. Fünfmal jährlich, jeweils vor Feiertagen, fanden Jahrmärkte statt, bei denen fahrendes Volk für Unterhaltung und Abwechslung sorgte. Im Gegensatz zu den umliegenden Straßen war der Marktplatz nicht gepflastert und ähnlich wie heute nur an zwei Seiten von Häusern begrenzt. Zur Warnung an Diebe, Betrüger und Raufbolde befanden sich auf dem Marktplatz ein steinerner Pranger und ein hölzerner Schandpfahl. Verurteilte mußten hier in aller Öffentlichkeit ihre Strafe verbüßen.

Das Gericht, das auch für die Wahrung des Marktfriedens verantwortlich war, tagte im alten Rathaus, einem dreistöckigen Fachwerkbau in der Südostecke des Marktplatzes.

In den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts wurde die Umgebung Bochums zunehmend unsicherer. Nach dem Siebenjährigen Krieg 1756 - 1763 und den folgenden Mißernten bildeten sich in der Umgebung Bochums zahlreiche Räuberbanden. Sie überfielen Reisende auf den nur unzureichend ausgebauten Straßen und plünderten zahlreiche abgelegene Höfe. Als sich die Überfälle häuften, wurde 1801 ein dem König unterstellter Sicherheitsausschuß in Bochum eingesetzt.(6) Die Arbeit des Ausschusses war überaus erfolgreich, in eineinhalb Jahren wurden in Bochum insgesamt 149 Verbrecher wegen Mordes oder gewaltsamen Diebstahls verurteilt. Rund um den Steeler Berg machte zuletzt noch die Bande der Gebrüder Stiel und Heinrich Plettenbergs die Gegend unsicher. Als 58 Bandenmitglieder gefaßt werden konnten, schmiedete man sie in Ketten und schaffte sie nach Sibirien. Die anderen Verurteilten saßen unter militärischer Bewachung im Bochumer Renteigebäude ein.

Zwar waren nun die Verbrecher hinter Schloß und Riegel, jedoch war es ein Problem, eine derart große Zahl von Gefangenen zu beköstigen. Um die Ernährungslage der Gefangenen zu verbessern, schlug Kortum 1802 dem Rat der Stadt vor, eine Abwandlung der "Rumford'schen Suppe" als Gefangenenspeise einzuführen.(7) Diese Suppe, bestehend aus Erbsen, Kartoffeln, Gerste und überjährigen Heringen, beuge nicht nur Mangelerscheinungen vor, sondern sei auch außerordentlich preiswert. Die Empfehlung wurde angenommen, und Kortum vermerkt später, daß sich während dieser Zeit keine ernährungsbedingten Krankheiten unter den Gefangenen gezeigt hätten.

Das Rathaus diente nicht nur als Ort für Gerichts- und Ratsversammlungen, sondern wurde multifunktional genutzt. Zum Marktplatz hin hatte das Rathaus eine auf fünf steinernen Pfeilern ruhende offene Halle, die an Markttagen an Händler vermietet wurde. Hinter der Markthalle befanden sich die Stadtwaage, das "Accise-Comtoir"(8) sowie die Wachstube des Nachtwächters, die auch als Zivilgefängnis genutzt wurde. Der erste Stock war über eine Holztreppe von der Straße aus zu erreichen. Hier befanden sich neben dem Sitzungssaal zwei weitere Zimmer, in denen die Schreibkräfte der Advokaten, die Registratur und das Stadtarchiv untergebracht waren. Den großen Saal unter dem Dach konnte man für Feste und Theateraufführungen anmieten. Die Gastspiele durchreisender Theatergruppen waren sicherlich ein kultureller Höhepunkt.

Neben dem Rathaus lag das Spritzenhaus, in dem die Brandspritzen aufbewahrt wurden. "Für entstehende Feuersnoth sind 2 gute metallene Spritzen, nemlich eine Stoß- und eine Schlangenspritze in dem Spritzenhause, auch sonst noch 24 hölzerne Spritzen vorhanden."(9) Die Fachwerkhäuser in den engen Straßen der Innenstadt boten eine ideale Angriffsfläche für Brände. Bereits 1517 hatte ein gewaltiger Stadtbrand die gesamte Innenstadt Bochums zerstört. Neben strengen Feuerschutzbestimmungen war die Vorsorge für den Brandfall eine wichtige städtische Angelegenheit. Jeder neue Bürger mußte nicht nur den Treueeid schwören, sondern auch einen ledernen Brandeimer stiften. Über 300 solcher Ledereimer wurden im Rathaus gelagert, wo sie für Notfälle zur Verfügung standen.

Fritz Kortebusch und sein Denkmal

Das Kuhhirtendenkmal, das heute an der Bongardstraße steht, ist nur mehr sentimentale Erinnerung an vermeintlich idyllische Zeiten. Dargestellt ist Fritz Kortebusch, der letzte Hirte Bochums. Von 1850 bis 1870 trieb Kortebusch täglich das Vieh der Bürger auf die Vöde. Mit der Entwicklung Bochums zur aufstrebenden Industriestadt erschien der tägliche Viehtrieb jedoch nicht nur veraltet, sondern war aufgrund des größeren Verkehrsaufkommens auch zunehmend mit Schwierigkeiten verbunden. Daher beschloß man 1870, den Viehtrieb einzustellen. Teile der alten Vöde wurden 1876-1878 in den kommunalen Stadtpark umgewandelt. Der im Stil des englischen Landschaftsgartens gestaltete Park steht heute unter Denkmalschutz.

Nach der Euphorie der Gründerjahre erinnerte man sich bereits kurz nach der Jahrhundertwende wehmütig und etwas verklärt an den ehemaligen Viehtrieb. Man beauftragte den Münsteraner Bildhauer Erich Schmiemann, Fritz Kortebusch ein Denkmal zu setzen. 1908 wurde eine in Bronze gegossene Darstellung des letzten Bochumer Kuhhirten und seines Hütehundes auf dem Marktplatz aufgestellt. Pikanterweise befand sich das Denkmal genau über den Eingängen zur öffentlichen Bedürfnisanstalt, so daß sich selbst der bronzene Kortebusch stets von einer ganz besonderen Brise umgeben sah.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Bronzedenkmal eingeschmolzen. Bereits kurz nach Kriegsende forderten Bochumer Bürger die Aufstellung einer Rekonstruktion des Kuhhirtendenkmals. Der Bochumer Künstler Walter Kruse wurde beauftragt, nach alten Vorlagen eine möglichst getreue Kopie anzufertigen.(10) Heute blickt der bronzene Kortebusch auf die vielbefahrene Bongardstraße, auf der ein Viehtrieb nur noch schwer vorstellbar ist.

Carl Arnold Kortum und die "Alte Apotheke"

Das Kuhhirtendenkmal befindet sich heute neben der "Alten Apotheke". Sie wurde 1691 von Georg Heinrich Severin gegründet und feierte 1991 ihr 300jähriges Bestehen.(11) Bis zur Zerstörung 1943 befanden sich die Verkaufsräume in der Rosenstraße 7. Carl Arnold Kortum war durch familiäre Beziehungen mit der Alten Apotheke verbunden. Seine Mutter Helena Maria Severin war die Tochter des Apothekengründers. In erster Ehe heiratete sie den Mülheimer Apotheker Friedrich Albert Künzel und nach dessen Tod den Provisor der Apotheke, Christian Friedrich Kortum. Der Vater Kortums starb jedoch bereits 1748, als Carl Arnold gerade 3 Jahre alt war. Nach Privatunterricht und Schulbesuchen in Mülheim ging Kortum von 1760 bis 1763 auf das Archigymnasium in Dortmund. Während dieser Zeit wohnte er kost- und logiefrei bei seinem Onkel Daniel Carl Kortum, der ebenfalls Apotheker war. Kenntnisse der Arzneikunst und die Entwicklung von Rezepturen waren Kortum also von Kindheit an vertraut und sicher während seines Medizinstudiums in Duisburg und später als praktizierender Arzt von großem Nutzen.

Die Verbindung von Arzneiwesen und Medizin beruht auf einer langen Tradition. Zu Kortums Zeiten gab es noch keine pharmazeutische Industrie. Die einzelnen Medikamente wurden nach ärztlichen Rezepten zusammengestellt und verabreicht. Erfolgreiche Rezepturen wurden immer wieder hergestellt und aus Konkurrenzgründen oft geheimgehalten. Ein Rezept der "Alten Apotheke" war beispielsweise das "Fiegenbitter-Elixier", das gegen Magen-Darm Erkrankungen half.(12) Für den praktischen Gebrauch des Arztes erstellte Kortum 1819 ein Verzeichnis mit über 1.300 Medikamenten und den dazugehörigen Rezepturen.(13)

Kortums einzige Tochter Henriette heiratete 1794 den Apotheker Peter Wilhelm Ludwig Döring. Henriette Kortum war eine begeisterte Botanikerin. Allerdings war damals Frauen der Zugang zu akademischen Ausbildungen verwehrt. Henriette beschränkte sich daher auf autodidaktische Studien.(14) Trotz der vier gemeinsamen Kinder war die Ehe von Henriette Kortum mit dem Apotheker Wilhelm Ludwig Döring unglücklich und wurde 1816 geschieden. Eine Scheidung war damals noch alles andere als üblich und endete meist für die Frau nicht nur mit dem Verlust der gesellschaftlichen Stellung, sondern auch mit dem Verzicht auf sämtliche Vermögensansprüche. Anders bei der Scheidung der Kortum-Tochter: Offenbar machte die Familie Kortums Wilhelm Ludwig Döring allein verantwortlich für das Scheitern der Ehe. Jedenfalls verblieb der gesamte gemeinsame Besitz, wie auch die Kinder, bei Henriette Kortum. In seinem Testament schloß Kortum den ungeliebten Schwiegersohn sogar ausdrücklich von der Erbfolge aus. Im Gegensatz zu ihrem geschiedenen Mann, der mittellos starb, hinterließ die geschäftstüchtige Henriette jedem ihrer Kinder ein eigenes Haus. Durch die Verbindung der Kortum-Enkelin Caroline Döring mit dem Apotheker Constantin Brinkmann blieb die "Alte Apotheke" auch weiterhin in Familienbesitz. Erst 1867 verkaufte der Urenkel Kortums, Carl Flügel, die "Alte Apotheke" an ein Nichtfamilienmitglied.

Das Wohnhaus Kortums

Das Wohnhaus von Kortum und seiner Familie befand sich in unmittelbarer Nähe der "Alten Apotheke" an der Ecke Rosenstraße / Obere Marktstraße. Hier lebte, arbeitete und praktizierte Carl Arnold Kortum 54 Jahre lang, von 1770 bis zu seinem Tod 1824. Nach Umbauten im Jahre 1886, die den Charakter des schieferverkleideten Fachwerkhauses stark veränderten, wurde das Haus 1902 niedergerissen. Die Rosenstraße wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Teil überbaut. Eine Tafel am Schuhhaus Lötte, Bongardstraße 31, wird bald wieder an den Standort des ehemaligen Wohnhauses Kortums erinnern. Die Tafel wird anläßlich des Kortum-Jahres 1995 vom Eigentümer des Hauses gestiftet.

Als Kortum 1770 nach Bochum zog, war er bereits promovierter Mediziner mit einer eigenen Praxis im elterlichen Haus in Mülheim. 1768 hatte er seine aus Bochum stammende Cousine Helena Margaretha Ehinger geheiratet. Um die Approbation für das preußische Bochum zu erhalten, mußte Kortum jedoch noch ein halbes Jahr Anatomie an der Berliner Charité studieren. Erst im Herbst 1770, also vier Jahre nach seiner Dissertation über die Epilepsie, erhielt Kortum die Approbation für Preußen. Neben der familiären Bindung an Bochum bot sich hier für den akademisch gebildeten Arzt ein breites Betätigungsfeld. In Bochum gab es zwar ein paar Wundärzte, diese hatten jedoch keine universitäre Ausbildung, sondern das Handwerk als Lehrberuf erlernt. Bauern und Bergleute ebenso wie die Adligen aus dem gesamten Amt Bochum gehörten zu Kortums Patienten. Oft nutzten sie den sonntäglichen Kirchgang, um den geschäftigen Arzt in seiner durchgehend geöffneten Praxis aufzusuchen.

Neben der Praxis befand sich im Wohnhaus auch eine für damalige Verhältnisse äußerst umfangreiche Bibliothek. Kortum hatte manchmal ganze Bibliotheken aus dem Nachlaß von Ärztekollegen gekauft oder ersteigert. Auch ließ er sich für seine eigene schriftstellerische Tätigkeit meist in Form von Büchern anstelle eines Honorars bezahlen. Ein Großteil der Werke in Kortums Bibliothek behandelte Themen aus Medizin und Naturwissenschaft. Es befanden sich hier aber auch die Werke antiker Philosophen und Schriftsteller sowie Literatur seiner Zeitgenossen. Kortums Bibliothek kann als durchaus repräsentativer Spiegel des Wissenschaftsstandes seiner Zeit gelten.

Von der Oberen zur Unteren Marktstraße

In der in Obere Marktstraße, Königsstraße und Butenbergsstraße unterteilten Durchgangsstraße von Witten nach Herne befanden sich die ersten Manufakturbetriebe Bochums. Die Tabakspinnerei Cremer hatte schon im Jahre 1724 hier ihre Arbeit aufgenommen. Auch die Kaffeemühlenfabrikation in der Oberen Marktstraße war seit 1760 von überregionaler Bedeutung. Mit der Kontinentalsperre Napoleons seit 1806 mußte der Betrieb jedoch mangels Nachfrage seine Produktion einstellen. Da sich die meisten Bürger jedoch an den Genuß von Kaffee gewöhnt hatten, begann die Suche nach geeigneten Ersatzstoffen. Auch Kortum beteiligte sich an dieser Suche und gab 1809 einen Band heraus, in dem er den "Kaffee und seine Stellvertreter" auflistet.(15) Die meisten der Ersatzstoffe bestanden aus geröstetem Getreide oder Gemüse. Zwei Jahre später empfahl Kortum einen Aufguß aus Heu als Ersatzstoff für Tee.(16) Allerdings scheinen sich diese Behelfsstoffe nicht durchgesetzt zu haben. Die Schriften geben einen Einblick in die alltäglichen Schwierigkeiten während der französischen Besatzungszeit von 1806 bis 1813. Daneben weisen sie auf das weitgefächerte Interesse Kortums gerade an ernährungswissenschaftlichen Fragen hin.

Wo heute die Bleichstraße verläuft, befand sich im ehemaligen Weilenbrink die in den Jahren 1691 bis 1698 erbaute Kirche der reformierten Gemeinde. Das Gotteshaus der kleinsten christlichen Gemeinde Bochums wurde wegen seiner geringen Größe und dem Zwiebelturm auch "Pfefferdose" genannt. Nach der Zerstörung 1943 wurde die Kirche nicht wieder aufgebaut.

An der Ecke zur Unteren Marktstraße stand das Renteihaus, eines der repräsentativsten Gebäude der ehemaligen Ackerbürgerstadt. Ganz aus Steinen gebaut, überragte es die umliegenden Fachwerkbauten und war der Sitz des damaligen Steuerinspektors und der Finanzverwaltung. Die Kellergewölbe dienten, wie schon gesagt, auch als Gefängnis. Ab 1815 beherbergte das Renteigebäude das Märkische Bergamt und erlangte dadurch eine über den Kreis Bochum hinausreichende Bedeutung. Die 1816 gegründete Bergschule hatte ebenfalls hier ihren Sitz.

Die katholische Kirche St. Peter und Paul und ihr Kirchhof

Das Renteihaus grenzte an den katholischen Kirchhof, der damals noch ringsum mit einer Mauer eingefaßt war und als Friedhof diente. Von der Rosenstraße führte ein Weg auf den Kirchhof, über den die Leichenprozessionen geleitet wurden. Obwohl selbst lutherisch, hatte die Familie Kortums hier ihre Gruft. In dieser wurde auch Kortums einziger Sohn, der 1807 mit nur 35 Jahren verstorbene Johann Carl Arnold Kortum, bestattet.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Friedhof, der zu dieser Zeit allen drei christlichen Gemeinden als gemeinsamer Begräbnisplatz zur Verfügung stand, zu klein geworden. In einem Bericht des Bürgermeisters Steelmann vom 17. Februar 1818 hieß es: "... man habe sich sogar überzeugt, daß die Jungens ihr Spiel mit den noch unverwesten Köpfen auf dem Kirchhof getrieben hätten."(17) Die zunehmend katastrophalen Friedhofsverhältnisse waren sicher ausschlaggebend für die Anlage des neuen Begräbnisplatzes, der 1819 an der Chaussee nach Witten eingeweiht wurde.

Die Kirche St. Peter und Paul ist das älteste erhaltene Gebäude der Bochumer Innenstadt. Seit karolingischer Zeit befand sich hier offenbar eine zum Reichshof gehörende Missionskapelle, die dem heiligen Petrus geweiht war. Deren Nachfolgebau, eine steinerne Saalkirche, fiel jedoch dem verheerenden Stadtbrand von 1517 zum Opfer. Bis 1547 dauerte der Wiederaufbau als spätgotische Hallenkirche. Neben dem Apostel Peter erhielt die Kirche damals den heiligen Paul als zweiten Pfarrpatron. Der romanische Chor blieb von dem Brand verschont, er wurde erst 1872-74 wegen einer Erweiterung nach Osten abgerissen.

Bochum blieb bis zum Dreißigjährigen Krieg von den Konfessionsstreitigkeiten relativ verschont. Katholiken wie Protestanten nutzten die Kirche St. Peter und Paul als Gotteshaus, ohne daß es zu großen Streitigkeiten kam. Erst nach den Kriegswirren wurde mit dem Bau einer eigenen lutherischen Kirche in Bochum begonnen. Der 68 Meter hohe Turm blieb bis 1835 gemeinsamer Besitz aller Konfessionen. Dafür mußten sich auch die Protestanten an den teilweise erheblichen Kosten für den Turmerhalt beteiligen.(18)

Als größte Pfarrei des preußischen Staates wurde St. Peter und Paul 1888 in den Rang einer Propstei erhoben. Im Jahre 1920 zerstörte abermals ein Brand die Propsteikirche in weiten Teilen. Nach zwei Jahren war der mit großen Anstrengungen verbundene Wiederaufbau abgeschlossen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Nordwand und die Taufkappelle der Kirche durch zwei Sprengbomben schwer beschädigt. Der Wiederaufbau dauerte bis 1959, wobei man die Seitenschiffe an den Querseiten verlängerte. Im Inneren der Propsteikirche befindet sich eines der ältesten Zeugnisse christlicher Kultur auf Bochumer Stadtgebiet: ein romanischer Taufstein aus dem Jahre 1175.

Das Schulwesen

Einträchtig nebeneinander, sogar unter demselben Dach, befanden sich auch die Elementarschulen der katholischen, lutherischen und reformierten Gemeinde neben der Kirche an der Unteren Marktstraße. Hier wurden die damaligen Schüler Bochums und der Umgebung in den Grundzügen des Rechnens, Lesens und Schreibens und vor allem in Religion unterrichtet. Drei Jahre dauerte in der Regel der Besuch der Elementarschule. Zwar gab es eine allgemeine Schulpflicht, die wurde jedoch von den wenigsten eingehalten. Die Kinder wurden im Sommer und Herbst auf den Feldern gebraucht, so daß sich im Winter doppelt so viele Schüler im Schulraum befanden als zur Zeit der Saat oder Ernte.(19) Ein weiterer Grund für das häufige "Schwänzen" mag auch daran gelegen haben, daß nur für tatsächlich erteilten Unterricht Schulgeld gezahlt werden mußte.(20) Die Zahlungsmoral bezüglich des Schulgeldes ließ generell zu wünschen übrig, und die ohnehin unterbezahlten Lehrer mußten oft lange auf ihr Gehalt warten. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, waren sie meistens gezwungen, eine Nebentätigkeit auszuüben.

Schlechte Schulzustände waren im ausgehenden 18. Jahrhundert die Regel. Zwar versuchte Preußen mit dem Generallandschulreglement von 1763 das Schulwesen zu reformieren, es änderte sich jedoch wenig. Der Unterricht fand häufig in baulich völlig unzureichenden Schulstuben statt. In einem Bericht des Generalinspektors für das Schulwesen an das Lutherische Ministerium der Grafschaft Mark von 1798 heißt es über die Kirchengemeindeschule in Bochum: "Die Schulstube ist klein und schmal. Unter den bloßen Brettern ist der Viehstall, dessen Ausdünstungen die Schule mit Gestank erfüllen und ungesund machet."(21) Dieses Urteil kann ohne weiteres für alle drei Elementarschulen gelten. Die lateinischen Stadtschulen der katholischen und der evangelischen Gemeinden scheinen etwas besser ausgestattet gewesen zu sein, ihr Unterrichtsplan war etwas fundierter und umfaßte auch Geographie und Latein.(22)

Das Gerberviertel

Das einzige Haus der Innenstadt, das aus Kortums Zeiten erhalten blieb, ist das ehemalige Brauhaus Rietkötter aus dem Jahre 1777. Auf Kortums 1790 entstandenem Stadtplan ist das Haus jedoch in seiner heutigen Lage auf der Ecke Beckstraße / Brückstraße nicht eindeutig zu identifizieren. Ebenfalls unklar bleibt, ob hier Bier oder Branntwein hergestellt wurde.

Ursprünglich war das Bierbrauen Teil der Hauswirtschaft. Das damalige Bier glich in etwa dem heutigen Altbier, besaß aber weniger Alkohol. Als eines der Hauptnahrungsmittel nahm man es nicht nur zu jeder Mahlzeit zu sich, sondern bereitete damit auch Speisen wie Suppen oder Brot. Um 1750 gab es 27 Brauhäuser in Bochum, die alle ein obergäriges Bier herstellten und es meist an Ort und Stelle verkauften.(23) Auch Kortum war dem Bierkonsum nicht abgeneigt, in seinen Lebenserinnerungen heißt es: "Ich liebe für den Durst ein leichtes, reines, gut gehopftes Bier und trinke es täglich."(24)

Ungefähr an der Kreuzung Große Beckstraße / Schwanenmarkt befand sich das Becktor, eines von fünf Stadttoren an den Ausfallstraßen der Stadt. Um in die Stadt zu gelangen, mußte man eines der Stadttore passieren. "Die Thore pflegen des Winters um 9 Uhr, und des Sommers um 10 Abends geschlossen und mit Tagesanbruch wieder geöffnet zu werden."(25) Allerdings scheinen die Tore nicht allzu stabil gewesen zu sein, denn im Jahre 1587 wurde des "Schulze zu Suntum natürlicher Sohn in Strafe genommen", weil er nach einem Trinkgelage anläßlich der Kirchweih eines der nachts geschlossenen Stadttore kurzerhand eindrückte, um seinen Rausch außerhalb der Stadt auszuschlafen.(26) Als Bollwerk gegen mögliche Angreifer scheinen sich die Tore schon damals nicht bewährt zu haben. Im 18. Jahrhundert dienten sie weniger Verteidigungszwecken, als vielmehr der Einnahme von Accise, einer Art Mehrwertsteuer, die von der preußischen Regierung auf eingeführte Waren erhoben wurde. Fünf Torschreiber waren für das Eintreiben der Accise und für das Öffnen und Schließen der Tore zuständig.

Das Gerberviertel ist wohl der älteste Siedlungsbereich Bochums.(27) Kortum beschreibt das Gebiet um den "Alten Markt"in seiner Stadtgeschichte folgendermaßen: "Es liegt zwischen dieser Beckstraße und der oben gedachten Brückstraße, der alte Markt; ein geräumiger aber schmutziger Platz. Er hat den Namen, weil in der älteren Zeit hieselbst der Krammarkt gehalten ist. Hinter demselben ist der Katzenhagen; dieses ist keine regelmäßige Straße, sondern es besteht derselbe aus zerstreut liegenden schlechten Häusern. Es hat ehemals die Hauptstraße hiedurch nach dem Beckthore geführt. Überhaupt ist es gewiß, daß in dieser Gegend die älteste bebaute Straße gewesen sey."(28)

Heute befindet sich mitten im Gerberviertel ein 1986 - 1990 von Karl-Friedrich Gehse geschaffenes Wohn- und Geschäftshaus, das mit seiner kleinteiligen Fassadenstruktur und dem überdachten Innenhof versucht, ehemalige Altstadtstrukturen wiederaufzugreifen. Es bleibt zu hoffen, daß die Umwandlung in ein ökologisch orientiertes Geschäfts- und Dienstleistungszentrum den ältesten Stadtkern Bochums in der erhofften Weise wiederbelebt.

Ebenfalls an der Gerberstraße befinden sich noch heute Betriebsgebäude der 1890 gebauten "Taufenbach'schen Dampfmühle", in denen jetzt eine Gaststätte untergebracht ist.

Beim Verlassen der Gerberstraße wird man auf unsanfte Weise mit einer Bausünde der 60er Jahre in Gestalt einer klotzigen Hochgarage konfrontiert. Daß es sich bei diesem Bauwerk auch um einen atomsicheren Bunker handelt, ist nicht gleich zu erkennen. Unter der Hochgarage bietet ein "Schutzraum" 2.000 Bürgern die Gelegenheit, einen Atomangriff (tod-) sicher zu überleben.

Die Kortumstraße und das Kortum-Denkmal im U-Bahnhof

Wenn wir die Brückstraße weiter in Richtung Kortumstraße gehen, verlassen wir das zu Kortums Zeiten bestehende Stadtgebiet. Hier befand sich das Brücktor, das auf den Weg nach Eickel führte.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts fand erstmals eine planmäßige Erweiterung des Bochumer Stadtgebiets statt.(29) Heute ist der Name Carl Arnold Kortums untrennbar mit der nach ihm benannten Straße verbunden, dabei war sie zu seinen Lebzeiten noch nicht existent. Zunächst benannte man die 1884 angelegte Verbindungsstraße zwischen der Brück- und Bongardstraße nach dem berühmten Arzt und Dichter. Die anderen Abschnitte bis zu dem im Jahre 1860 eröffneten Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn am heutigen Konrad-Adenauer-Platz hießen Hoch-, Friedrich- und Bahnhofstraße. Nachdem sich diese Verbindung nach der Jahrhundertwende zu einer der Hauptverkehrsachsen entwickelte, nannte man 1929 die Heinrichstraße und die gesamte Strecke zwischen Brückstraße und Bahnhof in Kortumstraße um. Seit 1947 trägt auch der Straßenzug bis zum Stadtpark den Namen Kortums und verbindet den Norden mit dem Süden der Innenstadt. Aus dieser Zeit stammt auch der Beschluß, die Kortumstraße zwischen Brückstraße und Adenauer-Platz zur Fußgängerzone auszubauen. Heute ist die Kortumstraße eine der beliebtesten Einkaufsstraßen Bochums.

An der Kreuzung mit Bongardstraße befand sich in etwa das Bongardtor, das auf die Straße nach Essen führte. Später entwickelte sich dieser Standort zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, der sogenannten Drehscheibe. Auf der Kreuzung der beiden innerstädtischen Hauptverkehrsachsen trafen Straßenbahnlinien, Pferdefuhrwerke, Automobile und Passanten aufeinander. An der Kreuzungsecke hatte der Düsseldorfer Architekt Herold 1910 das "Hansa-Haus" erbaut. Die Fassade des Jugendstilbaus überstand die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs und zierte als eines der wenigen erhaltenen historischen Gebäude bis zu seinem Abriß 1979 die Innenstadt.

An dieser Stelle steht jetzt das Einkaufscenter Drehscheibe, dessen Name noch an den ehemaligen Verkehrsknotenpunkt erinnert. Nachdem erhalten gebliebene Teile des Fassadenschmucks vom Hansa-Haus zunächst auf dem städtischen Bauhof lagerten, entschloß man sich im Zuge der künstlerischen Ausgestaltung der neu angelegten U-Bahnhöfe, diese wiederzuverwenden. Heinz Schroeteler fügte 1984 Teile des ehemals drei Stockwerke gliedernden Fassadenschmucks in einer freien Improvisation neu zusammen und integrierte sie ins Ziegelmauerwerk der Wand. Einer der beiden erhaltenen Erker wurde als Aufstellungsort für eine bronzene Kortum-Büste genutzt.(30) Kortum ist hier als nachdenklicher Dichter mit aufgeschlagenem Buch dargestellt. Die Installation befindet sich in dem bisher nur provisorisch erschlossenen Durchgangsbereich zum geplanten U-Bahnanschluß nach Gelsenkirchen. Knappe 500 Meter trennen die Haltestellen an der Alleestraße und der Kortumstraße noch voneinander. So nah - und doch so fern.... Pläne für die Fertigstellung reichen bis ins nächste Jahrtausend.

Das Kaufhaus Kortum

Verläßt man den U-Bahnhof durch den provisorischen Aufgang zur Bongardstraße und folgt der Kortumstraße, kommt man zum Kaufhaus Kortum. Nein, Carl Arnold Kortum war nicht der Kaufhausgründer, obwohl dies oft angenommen wird. Gegründet wurde das Kaufhaus von den Kölner Brüdern Alsberg. Noch vor dem Ersten Weltkrieg begann man mit dem Bau des Warenhauses. Es war bei Kriegsbeginn 1914 unvollendet und diente zunächst als Lager.(31) 1913 hatte die Stadt mit der Firma Alsberg eine Vereinbarung über den Warenhausbau getroffen. Im Gegenzug forderte die Stadt neben den Ankaufkosten die Einrichtung der Harmoniestraße und deren Anbindung ans Versorgungsnetz. Nach Kriegsende konnte das Warenhaus bis 1921 nach den Entwürfen des Düsseldorfer Architekten Philipp Schäfer fertiggestellt werden. Die jüdischen Kaufhausgründer Alsberg wurden 1934 zum Verkauf gedrängt. Im Zuge der sogenannten Arisierung erfolgte auch die Umbenennung in Kaufhaus Kortum AG. Der traditionsreiche Name eignete sich wohl gut dazu, die wichtigen jüdischen Anteile an der Geschichte des Kaufhauses zu verschleiern.

Nach erheblichen Kriegsschäden wurde die Fassade 1947-1949 unter der Leitung des Bochumer Architekten Heinrich Kirchmeier identisch rekonstruiert. Heute gilt sie als ein hervorragendes Beispiel expressionistischer Kaufhausarchitektur.

Der Husemannplatz und der "Jobsiade"-Brunnen

Etwas weiter liegt der Husemannplatz. 1855 hatte man den ehemaligen Stadtgraben zugeschüttet und damit die Grundlage für eine planmäßige Erweiterung der Innenstadt gelegt. Drei Jahre später erwarb die Stadt den damaligen Wilhelmsplatz. Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 beschloß man, hier ein "Siegesdenkmal" aufzustellen, das 1875 eingeweiht wurde.(32) Nachdem das Denkmal 1935 in den Stadtpark versetzt wurde, verkam der Platz zur Nutzfläche für Autos und Marktstände.

Am 10. Januar 1947 beschloß der Rat der Stadt, den Wilhelmsplatz in Husemannplatz umzubenennen. Der Bergmann und Sozialdemokrat Fritz Husemann hatte als Reichstagsabgeordneter Hitlers Ermächtigungsgesetz abgelehnt. Er wurde 1935 in das KZ Papenburg-Esterwegen verschleppt und ermordet. An seiner Beerdigung in Bochum nahmen trotz Abschirmung durch die Gestapo 2.000 Menschen teil.

In den 60er Jahren wurde der Platz mit Brunnen und Bänken neu gestaltet. Bereits 1988 empfand man dies jedoch als veraltet und beschloß im Zusammenhang mit einem Tiefgaragenbau eine moderne Platzkonzeption. Die Kunstwerke wurden von den seit 1875 hier angesiedelten Banken bezahlt. Den 1986/87 von Karl-Ulrich Nuß geschaffenen Jobsiade-Brunnen finanzierte die Deutsche Bank.

Die volkstümlich gestaltete Bronzeplastik mit fünf überlebensgroßen Figuren auf einem zweistufigen runden Podest illustriert eine Episode der 1784 von Kortum herausgegebenen "Jobsiade". Auf dem unteren Podestsegment ist ein Teil der Examensszene zitiert: "Auf die Antworten des Kandidaten Jobses, geschah allgemeines Schütteln des Kopfes". Dies ist die immer wiederkehrende Formel, welche die Antworten des Theologiestudenten begleitet. In der Hauptszene ist Jobs als junger Mann dargestellt, der selbstbewußt mit erhobener rechten Hand vor der Prüfungskommission steht. Er befindet sich auf gleicher Ebene mit dem Platzbesucher, sein linkes Bein locker auf die untere Stufe des Podestes gesetzt. Gekleidet ist er, ganz der Mode der Zeit entsprechend, mit Gehrock, enganliegenden Kniebundhosen und Schnallenschuhen. Seine jugendlichen Gesichtszüge drücken eine Mischung aus Naivität, Erstaunen und Arroganz aus. Demgegenüber erscheinen die Gesichter der drei auf dem oberen Podestsegment stehenden und sitzenden Gelehrten zur Groteske verzerrt. Alle drei haben ähnliche Gesichtszüge und tragen knielange Mäntel und Lockenperücken. In unterschiedlicher Haltung drücken sie ihr offensichtliches Mißfallen aus.

Hinter ihrem Rücken befindet sich die Figur eines alten, bärtigen, schon leicht gebeugten Mannes. Dieser scheint davonzuschleichen und hält nur noch mit der rechten Hand eine Verbindung zum oberen Brunnenpodest. Er trägt einfache lange Hosen, einen Umhang und einen Hut gegen den Regen. Er ist sehr viel weniger elegant als die Prüfer und der Prüfling der Examensszene gekleidet. Ebenso wie der jugendliche Jobs befindet sich der alte Mann auf einer Ebene mit dem Betrachter. Mit der linken Hand hat er ein Horn zum Mund geführt, in das er kräftig zu blasen scheint. Dieses Horn identifiziert ihn als Nachtwächter und somit als den alten Jobs, der "als Nachtwächter zu Sulzburg starb". Der vollständige Titel der "Jobsiade" lautet: "Leben, Meynungen und Thaten von Hieronimus Jobs dem Kandidaten, und wie er sich weiland viel Ruhm erwarb auch endlich als Nachtwächter zu Sulzburg starb". Beide im Titel genannten Lebensstationen des Hieronimus Jobs sind in der Brunnenkonzeption dargestellt, sowohl der "Kandidat" wie auch der "Nachtwächter" tauchen auf.

Der satirische Witz, mit dem Kortum seine Figuren und ihre spießbürgerlichen Handlungen beschreibt, findet eine gestalterische Entsprechung in den übertrieben dargestellten Figuren der Brunnenkomposition.

Die Pauluskirche und das "neue Gesangbuch"

Vom "Candidatus der Theologie" geht es zur zweitältesten Kirche der Bochumer Innenstadt. Die lutherische Kirche, seit 1874 Pauluskirche genannt, lag zu Kortums Zeiten unmittelbar am Stadtrand. Entstanden ist die barocke Saalkirche in den Jahren 1655 bis 1659. Der von einer Steinmauer eingefaßte Kirchhof reichte im Südwesten bis an die ehemalige Stadtbefestigung.

Noch heute kann man anhand der Grabenstraße den ungefähren Verlauf der alten Wall- und Grabenanlage erkennen. Kortum führt hierzu aus: "Der Graben ist eine unregelmäßige sehr lange Straße, welche am Butenbergsthore anfängt und um die Stadt herum, längst dem Hellwegsthor bis zum Bongardsthor sich erstreckt, und gleichsam von dieser Seite die Stadt einschließt. Die Häuser selbst sind unansehnlich und klein. Hinter derselben ist noch der alte zum Theil mit Wasser und Schlamm gefüllte Stadtgraben, und davon hat diese Straße, welche eigentlich den Graben ausmacht, den Namen bekommen."(33) Heute wird die Grabenstraße geprägt durch die hier liegenden Bauten des Kaufhauses Kortum und der 1925 - 1928 nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis erbauten Kommunalbank. Inmitten der geschäftigen Großstadthektik wirkt der Kirchplatz heute wie eine Oase der Ruhe.

Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges strebten die Lutheraner in Bochum ein eigenes Gotteshaus an. Bis nach Holland und Dänemark wurden Geldsammlungen veranstaltet, um einen Neubau finanzieren zu können. Im Zusammenhang mit dem Kirchenbau ist besonders der Name des evangelischen Pfarrers Johann Ostermann (1610 - 1675) zu nennen, der sich für alle Belange der Bauaufgaben einsetzte. Er wurde im Inneren der Kirche beigesetzt, wo sich bis heute sein Grabstein mit der Inschrift erhalten hat.(34)

Am 12. Juni 1943 wurde die älteste lutherische Kirche der Bochumer Innenstadt durch Bombenangriff bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Beim Wiederaufbau 1949 - 50 folgte man romantisierenden Vorstellungen und ließ das Natursteinmauerwerk unverputzt, um die Textur des Mauerwerks zu betonen.

Obwohl Kortum mit seinem Theologiestudenten Jobs auch das Predigerwesen seiner Zeit persiflierte, war er doch eng mit der Kirche verbunden. Selbst Mitglied der lutherischen Gemeinde, mischte sich der umtriebige Arzt auch in Kirchenangelegenheiten ein. So trug seine 1785 in Wesel erschienene Abhandlung "Über das alte und neue Gesangbuch und die Einführung des letzteren in die lutherische Gemeinde der Grafschaft Mark" dazu bei, zumindest in Bochum die Streitigkeiten um das neue Gesangbuch gar nicht erst aufkommen zu lassen. Kortum entkräftete die Vorwürfe, das Buch sei unverständlich und die Liedtexte teilweise unsinnig, indem er dies ebenso für das alte Gesangbuch nachwies.

Jüdisches Leben in Bochum

In der Nähe der lutherischen Kirche, in der Schützenstraße 1, befand sich die älteste Synagoge Bochums. Das einfache Fachwerkhaus wurde bereits am Ende des 16. Jahrhunderts eingeweiht. Die Synagoge an der Schützenbahn diente bis 1863 als Versammlungsraum der israelitischen Gemeinde. 1790 lebten 11 jüdische Familien mit insgesamt 49 Personen in Bochum.(35) Nachdem 1863 die Synagoge in der Wilhelmsstraße eingeweiht worden war,(36) diente das alte Haus an der Schützenbahn nur noch als Lagerraum und wurde 1907 abgerissen.

Auch der älteste jüdische Friedhof Bochums ist spurlos aus dem Stadtbild verschwunden. Er lag außerhalb der Stadtumwallung neben dem Butenbergstor, exakt zwischen Stadtwerkehochhaus und Stadtbad. Traditionell mußten jüdische Friedhöfe mindestens 25 m von der nächsten menschlichen Wohnung entfernt liegen. Daher wurde der Friedhof bereits 1822 geschlossen. Wegen Geldmangels entschloß sich die jüdische Gemeinde 1879, das Gelände des Friedhofs am ehemaligen Butenbergtor zu verkaufen. Die Gebeine der hier liegenden Toten wurden exhumiert und auf dem jüdischen Friedhof an der Friedhofstraße neu beigesetzt.(37)

Der Kortum-Park

Verläßt man die Innenstadt über die Wittener Straße, liegt links hinter dem 1957 hierher verlegten Bahnhof der Kortum-Park. Erst in den 60er Jahren ging man dazu über, den "Alten Friedhof" nach dem hier bestatteten Arzt und Aufklärer zu benennen. Der Friedhof wurde 1819 an der Chaussee nach Witten eingeweiht, da der bisherige Begräbnisplatz auf dem Kirchhof Kirche St. Peter und Paul mittlerweile zu klein geworden war.

Weitere Gründe waren sicher gesundheitliche Bedenken wie auch ein gewandeltes Verständnis vom Tod.

Bereits 1794 besagte das "Allgemeine Landrecht" in Preußen, daß keine Bestattungen mehr innerhalb der engen Städte zugelassen werden sollten. Man ging im 18. Jahrhundert davon aus, daß eine Reihe von Krankheiten und Seuchen durch Ausdünstungen des Bodens verursacht würden.(38) Die engen, von Mauern umschlossenen Kirchhöfe inmitten der Stadtzentren galten dabei als Brutstätten verschiedenster Krankheitserreger. Obwohl Kortum selber dieser sogenannten Miasma- (griech.: Verunreinigung) Theorie anhing, widersprach er der Auffassung, daß allgemein von Friedhöfen eine gesundheitliche Belastung ausginge. Im Jahre 1801 veröffentlicht er seine Schrift: "Über die Unschädlichkeit der Kirchhöfe und Begräbnisse in Städten und Dörfern". Im Gegensatz zur landläufigen Meinung beschreibt Kortum die Friedhöfe als angenehmen Aufenthaltsort. Er lobt besonders die gute Luft, die von den Blumen und Pflanzen auf den Friedhöfen ausginge. Auch der Honigertrag von Bienen, die ihren Nektar auf Friedhöfen sammeln, sei außerordentlich schmackhaft und in keiner Weise gesundheitsschädlich. Allerdings spricht sich Kortum gegen die Beisetzung in Gruften und im Kircheninneren aus. Die Leichen in derart engen, geschlossenen Räumen würden giftige Gase entwickeln, die beim Öffnen entweichen und die Gesundheit gefährden könnten. Für die Neuanlage von Friedhöfen empfiehlt Kortum großzügig angelegte parkähnliche Anlagen.

Der am 21. November 1819 eingeweihte erste kommunale Friedhof Bochums müßte demnach Kortums Vorstellungen entsprochen haben. Zur Überbrückung der dann relativ großen Entfernung des Friedhofs zum damaligen Stadtgebiet mußte allerdings eigens ein Leichenwagen angeschafft werden.(39) Als Kortum 1824 starb, wurde wahrscheinlich auch er mit diesem Leichenwagen zum Friedhof gebracht.

Heute sind nicht nur die Parkanlage mit dem wunderschönen alten Baumbestand, sondern auch die reich geschmückten Grabstätten des 19. Jahrhunderts sehenswert. Ein Spaziergang über den Alten Friedhof zeigt die kulturhistorische Entwicklung der Sepulkralkunst vom Klassizismus bis zum Jugendstil und führt zugleich zu den Grabstätten vieler bedeutender Bochumer Familien.

Das Kortum-Grab

Mit 79 Jahren starb Carl Arnold Kortum am 15. August 1824 im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Er wurde auf dem Friedhof an der Wittener Straße beigesetzt, wo sich noch heute sein Grabstein befindet.(40)

Die aufwendig gearbeitete Grabstele aus dem 19. Jahrhundert war 1948 so stark verwittert, daß man beschloß, eine originalgetreue Nachbildung anzufertigen. Zum 125. Todestag, am 15. August 1949, fand eine Kranzniederlegung an der neu errichteten Grabstätte statt.

Jede Seite des Kubus trägt eine Inschrift in Latein und Deutsch sowie ein Relief mit Symbolen des Todes und der Wiederauferstehung. Auf der Vorderseite, unter den Lebensdaten Carl Arnold Kortums, sind Leier und Aesculap-Stab dargestellt. Sie kennzeichnen Kortum sowohl als Dichter als auch als Mediziner.

Neben der Grabstele befinden sich drei gewölbte Grabplatten aus dem 19. Jahrhundert, die weiteren Familienanghörigen Kortums gewidmet sind. Namentlich erwähnt werden können die Grabsteine der einzigen Tochter Kortums, Helena Christina Henriette Döring (1770 - 1839), und ihres Schwiegersohns, des Apothekers Constantin Brinkmann (1796 - 1841).

Der zweite Grabstein mit dem Namen Constantin Brinkmann (1821 - 1851) erinnert an den Urenkel Kortums, der bereits mit 30 Jahren starb.Ungewöhnlich ist, daß die ein Jahr nach ihrem Mann in Bochum verstorbene Ehefrau Kortums auf keinem der Grabsteine erwähnt ist. Jedoch muß dieses Schweigen keinesfalls bedeuten, daß sie nicht hier beigesetzt wurde.

Wie so viele Geschichten, besonders die von Frauen, bleibt auch die von Helena Margaretha Kortum, geborene Ehinger, ungeschrieben. Auch zu Kortum und seiner Zeit gäbe es sicher noch viel zu sagen, allen Interessierten sei hierzu noch einmal seine Stadtgeschichte empfohlen. Vielleicht verändert sich dabei der Blick auf den Wegen durch das heute so "modern" anmutende Bochum.

Anmerkungen:
  1. Vgl. hierzu Hanke, Hans: Architektur und Stadtplanung im Wiederaufbau. Bochum 1944 - 1960. Bonn 1992, S. 6

  2. Die Wiederaufbaupläne wurden von Clemens Massenberg erstellt und am 1. Oktober 1948 von der Bochumer Stadtverordnetenversammlung verabschiedet. Vgl. hierzu Hanke, Hans H.; Petsch, Joachim: Stadtplanung und Architektur in Bochum nach 1945. In: Wagner, Johannes Volker (Hrsg.): Vom Trümmerfeld ins Wirtschaftswunderland. Bochum 1989, S. 74

  3. Kortum, Karl Arnold: Nachricht vom ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt Bochum. Bochum 1990 [Jubiläumsnachdruck des Stadtarchivs Bochum zum 200jährigen Erscheinen der Erstausgabe, hrsg. von Johannes Volker Wagner]

  4. Kortum (1990), S. 65

  5. Kortum (1990), S. 32; Vgl. Brinkmann, Karl: Bochum. Aus der Geschichte einer Großstadt des Ruhrgebietes. Bochum 1950, S. 33

  6. Vgl. Darpe, Franz: Geschichte der Stadt Bochum. Bochum 1894, S. 424 f.

  7. Kortum, Carl Arnold: C.A. Kortum, der Arz. Doktor, Bergarzt der Märkischen Provinz und Stadtarzt zu Bochum gibt von dem Nutzen und von der Bereitung der Rumford'schen Suppe ausführlich Nachricht. Duisburg 1802. Das Grundrezept geht zurück auf eine Rezeptveröffentlichung des englischen Grafen Rumford aus dem Jahre 1798.

  8. 1717 hatte die Regierung in Bochum die Accise-Steuer eingeführt. Besteuert wurde Korn zum Backen, Bierbrauen und Branntweinbrennen sowie eingeführter Wein und Schlachtvieh. Vgl. Kortum (1990), S. 74 sowie Darpe (1894), S. 350

  9. Kortum (1990), S. 81. Auf Veranlassung König Friedrichs I. von Preußen war eine allgemeine Feuerversicherung gegründet worden, bei der 1709 auch Bochum Mitglied wurde. 1719 wurde für Bochum das erste Feuerkataster angelegt, in dem sämtliche Häuser erfaßt wurden. Vgl. hierzu Darpe (1894). S. 420 f. und Wilbertz, Gisela: Die "Widerhaarigen Bochumer" und die Feuerversicherung. Zur Geschichte des ersten Feuerkatasters der Stadt Bochum aus den Jahren 1719/1720. In: Der Märker. 31. Jg. (1982), Heft 2

  10. Die Replik ist mit 210 cm etwas kleiner als das Original und insgesamt einfacher gestaltet, auch fehlt das Bronzerelief am Sockel. Siehe: Asseln, Marina v.: Kunst auf Schritt und Tritt in Bochum. Bochum 1992, S. 54

  11. Zur Geschichte der "Alten Apotheke" siehe auch Wilbertz, Gisela; Seebold Gustav: "... der löblichen Apothekerkunst zugethan" - Zum 300jährigen Jubiläum der Alten Apotheke in Bochum 1691 - 1991. Bochum 1991

  12. Vgl. hierzu Wilbertz; Seebold (1991), S. 27

  13. Vgl. hierzu Müller, Irmgard: Kortums medizinische Praxis und Tätigkeit als Bergarzt. In: Institut für Geschichte der Medizin, Ruhr-Universität Bochum (Hrsg.): Dr. med. Carl Arnold Kortum (1724 - 1824). Arzt, Volksaufklärer, Alchemist, Dichter. Ausstellungskatalog. Bochum 1991, S. 41 - 54

  14. Zur Rolle der Frau im 18. Jahrhundert und zu Henriette Kortum siehe Wilbertz, Gisela: Bochumer Frauen. Bochum 1990, S. 17 f. Die handschriftlich überlieferte Kochrezeptesammlung der Henriette Kortum befindet sich heute in Kopie im Stadtarchiv Bochum.

  15. Kortum, Carl Arnold: Der Kaffee und seine Stellvertreter. Leipzig 1809

  16. Kortum, Carl Arnold: Der Thee und seine Stellvertreter. Duisburg, Essen 1811

  17. Zitiert nach: Darpe (1894), S. 536

  18. Vgl. Darpe (1894), S. 534 ff. sowie Erlemeier, Hans; Fernkorn, Paul; Frielinghaus, Volker: Die Bochumer Propsteikirche und ihre Kunstschätze. Bochum 1971, S. 20

  19. Im Winter 1807 besuchten 140 - 150 schulpflichtige Kinder die erste Klasse der katholischen Elementarschule, im Sommer nur 40 - 50. Vgl. Darpe (1894), S. 497 und Heinemann, Manfred; Rüter, Wilhelm: Landschulreform als Gesellschaftsinitiative. Philip von der Reck, Johann Friedrich Wilberg und die Tätigkeit der "Gesellschaft der Freunde der Lehrer und Kinder in der Grafschaft Mark" (1789 - 1815). Göttingen 1975, S. 27 ff.

  20. Ein Buchstabierschüler "kostete" weniger als ein Leseschüler und als Anreiz zum Schulbesuch galt im Sommer nur die Hälfte der Beträge. Vgl. Darpe (1894), S. 478 f.

  21. Zitiert nach: Heinemann; Rüter (1975), S. 26 f.

  22. Die katholische Lateinschule befand sich an der Südseite der Kirche St. Peter und Paul. Die evangelisch-lutherische Lateinschule lag am Spitzberg. Kortum (1990), S. 56 f.; Darpe (1894), S. 476 f.

  23. Vgl. hierzu Brinkmann, Karl: Geschichte des Brauwesens und der Brauindustrie in Bochum. In: Bochumer Heimatbuch. Bd.6. Bochum 1954, S. 27

  24. Zitiert nach: Kleff, Bernhard: Was der Dichter der Jobsiade an seinem Lebensabend über sich selbst erzählte. In: Bochumer Heimatbuch. Bd.1. Bochum 1925, S. 44

  25. Kortum (1990), S. 42

  26. Brinkmann (1950), S. 74

  27. Erstmals erwähnt wird der Reichshof in einer Werdener Urkunde von 890. Zur Siedlungsgeschichte siehe auch Lassek, Albert: Die Siedlungsgeschichte der Altstadt. In: Hanke, Hans H. (Hrsg.): Bochum. Wandel in Architektur und Stadtgestalt. Bochum 1985, S. 17 - 20

  28. Kortum (1990), S. 44

  29. Vgl. hierzu Wolcke, Irmtraud-Dietlinde: Die Entwicklung der Bochumer Innenstadt. Kiel 1968, S. 103

  30. Asseln (1992), S. 106

  31. Vgl. Kerber, Bernhard: Bochums Bauten 1860 - 1940. Bochum 1982, S. 37

  32. Bei dem Denkmal zum Gedenken an die 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Bürger Bochums handelte es sich um einen schwingenausbreitenden Preußenadler auf einem aufwendig gestalteten Postament. Zum Denkmal und der Entwicklung des Platzes siehe Zimmermann, Peter: Vom Wilhelmsplatz zum Husemannplatz. Bochum 1983

  33. Kortum (1990), S. 45

  34. Berühmt wurde der Name Ostermann aber vor allem durch seinen Enkel Heinrich Johann Friedrich (1678 - 1747), der in Rußland zum Premierminister des Zaren avancierte und dort den Grafentitel verliehen bekam. Als Student hatte der 16jährige Heinrich Ostermann in Jena einen Mann erstochen. Er floh nach Amsterdam und kam dort in den Dienst des Zaren. 1734 - 1741 war er russischer Premierminister, fiel dann aber in Ungnade und wurde nach Sibirien verbannt wo er 1747 starb. Vgl. hierzu Wilbertz, Gisela: Heinrich Graf Ostermann 1687 - 1747. Zur 300. Wiederkehr seines Geburtstages. Bochum 1987

  35. Seit dem Jahr 1349 läßt sich die Existenz jüdischen Lebens in Bochum belegen. Zur Geschichte der israelitischen Gemeinde siehe auch: Wilbertz, Gisela: Synagogen und jüdische Volksschulen in Bochum. Bochum 1988

  36. Die Synagoge an der Wilhelmsstraße wurde in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 geplündert und gebrandschatzt. Heute erinnert nur noch eine 1968 am Gebäude der BFG-Bank angebrachte Gedenktafel an ihren Standort.

  37. Vgl. Wilbertz, Gisela: Jüdische Friedhöfe im heutigen Bochumer Stadtgebiet. Bochum 1988, S. 14 f.

  38. Zur sogenannten Miasmatheorie siehe Buchatowski, Caroline: Kortum als Volksaufklärer. In: Institut für Geschichte der Medizin, Ruhr-Universität Bochum (Hrsg.): Dr. med. Carl Arnold Kortum (1724 - 1824). Arzt, Volksaufklärer, Alchemist, Dichter. Ausstellungskatalog. Bochum 1991, S.65

  39. "Der nun auch beschaffte Totenwagen war anfangs stärker benutzt, z. B. wurden vom 12. Juni bis Dez. 1820 55 Leichen mit demselben befördert." Darpe (1894), S. 537

  40. 1936 wurde ein Streifen des ältesten Friedhofsteils im Osten an den damaligen Benzolverband (heute Aral) verkauft. Wahrscheinlich befand sich das Grab Kortums in diesem Bereich und wurde dann an die heutige Stelle umgesetzt.