Eberhard Brand

"... klar, der Kaufhausgründer!" - Carl Arnold Kortum und die Bochumer

Tag für Tag gehen sie mit ihm um, hundert-, tausend-, zehntausendfach: Sie eilen oder promenieren, hasten oder schlendern über Bochums Kommerzmeile, die nach ihm benannt wurde; hundert- und tausendfach bevölkern sie einen renommierten Kaufhauskomplex mit beeindruckendem Äußeren, der seinen Namen trägt; sie spazieren durch einen weitläufigen Park, der ihm gewidmet scheint; Kinder hüpfen und tollen auf einem Bronzebrunnen herum, der an sein Wirken erinnert, und Ströme von U-Bahn-Gästen passieren sein Konterfei, die meisten freilich, ohne es weiter zu beachten oder den Dargestellten recht zu kennen: Carl Arnold Kortum und die Bochumer.

Befragt man sie zu Kortum, die Bochumer, tut man gut daran, sich auf ein breites Spektrum von Antworten einzurichten. Erhält man als Fragender kein Schulterzucken oder ein mehr oder weniger freundliches "Weiß nix!", dann sprudelt es meist munter und ausdauernd, hilfsbereit und kenntnisreich die unterschiedlichsten Assoziationen wie "großes altes Warenhaus", "Kuhhirte", "gute Auswahl", "gleich neben C & A", "Der große Bellheim", "wichtigste Einkaufsstraße", "Porzellan", "Ruhrwelle Bochum", "erstklassige Lebensmittelabteilung im Obergeschoß", "jüdischer Kaufmann", "Mario Adorf", "Ehrenbürger Bochums", "Klar, der Kaufhausgründer ..." Vielleicht hört man aber auch Antworten wie "Kortums Grab im Kortumpark", "Karl-Heinz Kortum", "Gründer der Kortumstraße", "Kortumschule in Wiemelhausen", "3. Grundschulklasse: Kortum war berühmter Bochumer Bürger im letzten Jahrhundert, der eine Stadtgeschichte geschrieben hat", "Autor eines bekannten Buches", "Arzt und Kommunalpolitiker", "Carl Arnold Kortum - einer der größten Bochumer" ...

Zwischen den Extremen "Mario Adorf" und "bekannter Arzt und Wissenschaftler in Bochum, der die Jobsiade verfaßt hat", findet sich schier unerschöpfliches Wissen in den Köpfen vieler Bochumer über Kortum, und es sollte der Mühe wert sein, dieses weite Feld etwas zu beackern und die eine oder andere Furche ein wenig zu vertiefen.(1)

Wie empfehlenswert das ist, zeigt beispielsweise auch das Ergebnis einer kleinen Umfrage unter Bochumer Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 10 und 19 Jahren, denen in 527 Antworten zu der Frage "Was fällt Dir/Ihnen zu "Kortum" ein?" zu über 82 % etwas zur Kortumstraße und zum gleichnamigen Kaufhaus einfiel. Lediglich knappe 18 % zielten - mehr oder weniger treffend - auf Carl Arnold Kortum persönlich.(2)

Was haben nun Geschäftsstraße und Kaufhaus - diese Frage stellt sich angesichts der spezifischen Kenntnisse über Kortum bei vielen Bochumern - mit Carl Arnold, dem Jubilar, zu tun? - Direkt nichts oder nur ausgesprochen wenig. Soviel ist sicher: Erst bei der Planung einer dritten Erweiterung des alten kortumzeitlichen Ackerbürgerstädtchens nach der Mitte des letzten Jahrhunderts, gut 30 Jahre nach Kortums Tod also, wurde die ungefähre Linienführung eines Großteils der heutigen Kortumstraße projektiert. Angelegt wurde die Kortumstraße im Jahr 1884, 60 Jahre nach Kortums Tod, sie verband Brück- und Bongardstraße.

Nach Abschluß der dritten Eingemeindungsphase erfuhr die eigentliche Kortumstraße mit dem 20. Oktober 1929 eine deutliche Ausdehnung: In südlicher Richtung wurden Hoch-, Friedrich- und Bahnhofstraße in Kortumstraße umbenannt und angegliedert, in nördlicher Richtung die Heinrichstraße. Eine letzte Erweiterung erfuhr die Kortumstraße nach dem 2. Weltkrieg: 1947 wurde ihr die ehemalige Kaiser-Wilhelm-Straße zugeschlagen, so daß die heutige Kortumstraße fast von Wiemelhausen im Süden bis an den Stadtpark im Norden des alten Stadtkerns reicht.(3) Außer der Tatsache, daß man eine der wichtigsten Bochumer Geschäftsstraßen nach einer der wichtigsten Bochumer Persönlichkeiten benannt hat, verbindet beide nichts.

Ebensowenig hat das Kaufhaus Kortum mit dem Jubilar zu tun: Von den Gebrüdern Alsberg aus Köln zwischen Hoch- und Grabenstraße in den Jahren 1914 bis 1920 erbaut, danach verschiedentlich erweitert, wurde es 1934 "arisiert", d.h. die jüdischen Eigentümer verkauften unter dem beklagenswerten Druck jener Jahre das Warenhaus an eine neu gegründete "Kortum-AG", der dieser attraktive und in Bochum wohlbekannte Name offensichtlich wegen der Lage des Warenhauses an der bedeutenden Geschäftsachse Kortumstraße beigelegt wurde.(4)

Anders als bei der Kortumstraße und dem nach ihm benannten Kaufhaus gibt es beim "Kortumpark" eine direkte und höchstpersönliche Beziehung zu Kortum: Als um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert und in der Folgezeit die städtischen Begräbnisplätze, die die Kirchen umgebenden "Kirchhöfe", teils aus wissenschaftlicher Erkenntnis und in Beachtung neuer gesetzlicher Vorschriften, teils aufgrund gewandelter ethisch-religiöser Anschauungen geschlossen und vor den Stadttoren neu angelegt wurden, entstand in Bochum - vor dem Buddenbergtor, ab November 1819 - ein neuer "Kirchhof". Dieser auch "Neuer Friedhof" genannte kommunale Begräbnisplatz an der heutigen Wittener Straße bekam, nach mehreren Erweiterungen, im Jahre 1884 einen Nachfolger an der Blumenstraße und wurde dadurch zum "Alten Friedhof". Heute nennen ihn die Bochumer meist "Kortumpark", da Carl Arnold Kortum dort im Jahre 1824 bestattet wurde und der Friedhof, auf dem schon seit Jahrzehnten nur noch ausnahmsweise und ganz selten einmal beerdigt wird, längst den Charakter eines "Totenkirchhofs" verloren hat.(5)

Kortums letzte Ruhestätte bezeichnet ein verhältnismäßig schlichtes, von ihm selbst entworfenes Grabmal aus Sandstein, das sich über einer etwa 10 mal 8 Schritte messenden Gruft erhebt, in der auch noch mehrere Familienangehörige - darunter Kortums Tochter Henriette - bestattet wurden. Der Grabstein, der von einer schlangenumwundenen flammenden Urne gekrönt wird, ist insgesamt etwa 2,70 m hoch und zeigt an seinen vier Seiten - jeweils über unterschiedlichen Symbolen - in lateinischer und in deutscher Sprache vier Inschriften.

Vorderseite: Hoc sub monumento quiescit

C. A. Kortum

Dr. medic. pro meritis

nominatus consiliarius aulicus

Natus die 5. Juli 1745. Mortuus die 15. Aug. 1824

Hier ruht die irdische Hülle

des Dr. medic. und Hofrath

C. A. Kortum

geb. den 5. Juli 1745, gest. den 15. Aug. 1824.


Symbole: unter einer Schleife gekreuzt eine Lyra für die Dichtkunst und einen Äskulapstab mit heiliger Schlange für die Heilkunst.


Rückseite: Deploratus ab uxore filia septem

nepotibus decemve

pronepotibus

Des Wiedersehens freuen sich seine Gattin,

seine Tochter, seine sieben Enkel

und zehn Urenkel.


Symbole: zwei gekreuzte, gesenkte, noch aber brennende Fackeln auf herzförmigem Schleifenkranz für die Vergänglichkeit von Liebe und Leben.


Linke Seite: Per aspera ad astra

Offenbarung Joh. 14 v. 13

Selig sind die Todten

die in dem Herrn sterben.


Symbol: eine Amphore, wohl für Fülle und Maß des Lebens.


Rechte Seite: Non mihi mors gravis est,

posituro morte dolorem

Sirach, 22 v. 11

Man soll nicht so sehr trauern.


Symbol: zwei gekreuzte Palmwedel als Zeichen maßvollen Trauerns.


Abb. 1

Anonyme Federzeichnung nach einem Foto von Heinrich Kuhlmann, Bochum(6)


Von der Wittener Straße kaum 25 Schritte entfernt, ist die Kortum-Grabstätte dennoch nicht direkt einzusehen, da sie als Grabanlage durch eine dichte und entsprechend hohe Bepflanzung nach Brauch und Regel der Bochumer Stadtgärtner vom pulsierenden Alltagsgetriebe - zumindest optisch - separiert wurde. Kortums biedermeierzeitliches Grabmal, das im Zuge des Jubiläumsjahres samt der drei dazugehörigen Grabplatten seiner Verwandten unter Denkmalschutz gestellt werden soll, wurde nach dem 2. Weltkrieg - offenbar wegen starker Beschädigungen und infolge Steinzerfalls - durch eine fast getreue Nachbildung ersetzt, die heute auch schon wieder zum Teil restaurierungsbedüftig ist: Steinzerfall und Vandalismus sind an der Gedenkstätte nicht spurlos vorübergegangen, und auch hier soll im Jubiläumsjahr geholfen werden.

Bei der Wiederaufstellung des erneuerten Gedenksteins für Kortum wurde dieser offensichtlich um 90 gedreht, da bei Umgestaltung und Neuanlage der Gruft - sie wurde zusätzlich mit einer niedrigen Bruchsteinmauer umfriedet - diese eine neue Zuwegungsrichtung erhielt. Notwendig ist es, diesen Sachverhalt noch einmal gründlich aufzuarbeiten und festzustellen, weil nicht auszuschließen ist, daß die gesamte Kortum-Gruft nach 1924 um eine Reihe von Metern verlegt worden ist.

Dem gelegentlichen Besucher der Grabstätte, hat er einmal den schmalen Pfad zu ihr durchmessen, bietet sich ein schöner Anblick: eine biedermeierliche Beschaulichkeit, "fernab" vom Getümmel der modernen Großstadt, fürwahr ein "locus amoenus", ein liebliches Plätzchen, an dem der Dichter-Doktor zur letzten Ruhr gebettet liegt!

Doch bei genauerem Hinsehen wird die Idylle höchstwahrscheinlich getrübt: Weggeworfene Zigarettenschachteln und -kippen, Kronkorken, geleerte Flaschen, Scherben und Blechdosen unterschiedlichster Spezies, Drogenspritzen und andere Absonderlichkeiten mehr zeugen - trotz wohl relativ regelmäßiger Aufsicht und Pflege - von einem ziemlich regen Zuspruch, den dieses so abgeschieden-zentrale Plätzchen in einschlägigen Kreisen offensichtlich genießt.

Es bleibt zu hoffen, daß unser Jubilar - er war zu Lebzeiten, was viele seiner Mitmenschen anging, nicht immer einfach - auch diese Bochumer goutiert, wenn er von unten oder von oben bei ihrem Treiben zuschaut.

Es ist nur noch ein zweiter Platz in Bochum denkbar, der zu Carl Arnold Kortum höchstpersönlich in eine so direkte Beziehung gesetzt werden kann, sein Wohnhaus.

Dieses lag an der Ecke Obere Marktstraße - heute ungefähr Bongardstraße - und Rosenstraße, die als richtiger Verkehrsweg nach dem 2. Weltkrieg nicht wiedererstanden ist.

Glücklicherweise ist ein Foto des Kortumhauses bekannt, welches freilich lange nach Kortums Erdenwandeln entstanden ist, so daß wir in etwa darauf schließen können, wie dieses stattliche Bürgerhaus von "bergischer Außenart", wie Bernhard Kleff bemerkt,(7) einmal ausgesehen haben mag: Es war dreiachsig und dreigeschossig, hatte ein Krüppelwalmdach, der Giebelabschluß war in barocker Manier verziert, und es zeigte mit der schieferverkleideten Giebel-Schauseite zur Oberen Marktstraße.(8)


Abb. 2

Kortums Wohnhaus zwischen 1876 und 1886


Den kleinen Vorgarten, in dem Kortum auch als alter Mann noch gerne gesessen haben soll,(9) zeigt das Foto bereits nicht mehr. Auch befinden sich im Erdgeschoß zwei größere Schaufenster rechts und links der Eingangstür, die zu Kortums Zeiten gewiß noch nicht vorhanden waren. Zu datieren ist dieses wichtige Bild in die Zeit zwischen 1876(10) (= Jahr der Anbringung einer auf dem Foto sichtbaren Kortum-Gedenktafel durch die im alten Weinhaus Flügel tagende Frühschoppen-Gesellschaft der Ärzte)(11) und 1886 (= Jahr des Umbaues des Kortum-Hauses mit gravierenden Eingriffen auch in die Fassadengestaltung)(12).


Abb. 3

Das alte Weinhaus Flügel, Rosenstraße 6. Erbaut 1825, renoviert 1910(13)


Von dem vorbeschriebenen Foto des Kortum-Hauses, Obere Marktstraße 23/Rosenstraße 1, gibt es auch eine professionell retuschierte Fassung: Die Schaufenster im Erdgeschoß wurden durch zwei Stubenfenster nach der Art der drei Fenster im ersten Stockwerk ersetzt und eingebettet in eine aufgemalte Schieferverkleidung. Drei Personen, ein Mann mit Spazierstock und zwei kleine Mädchen in Kittelschürzen, sind nahezu spurlos verschwunden, während andere Details, zum Beispiel mehrere Personen und ein Fuhrwerk in der Rosenstraße, auf beiden Fotos absolut identisch sind.(14)


Abb. 4

Kortums Wohnhaus zwischen 1876 und 1886 - stark retuschierte Fassung -


Es liegt auf der Hand, daß die retuschierte Version in der Absicht entstand, Kortums Wohnhaus als solches möglichst authentisch zu rekonstruieren und darzustellen.

Die weitere Geschichte des Hauses ist schnell erzählt: Das 1886 in einer Art Renaissancestil umgebaute Kortumhaus verlor durch sein neues Äußeres die ursprüngliche Schlichtheit und seine gediegene, bodenständige Eigenart.


Abb. 5

Kortums Wohnhaus nach dem Umbau von 1886(15)



Im Jahre 1902 wurde es - offensichtlich aus naheliegenden Gründen - gänzlich abgebrochen, und an seiner Stelle führte der Eigentümer, der Drechsler Richard, einen großzügigen Geschäfts-Neubau ("Lederwaren-Richard") auf, der ganz dem etwas pompösen Stil seiner Entstehungszeit verpflichtet war: viergeschossig, mit Eckturm und mehreren Giebeln und mit enorm erweiterten Schaufensterfronten in der Oberen Marktstraße und in der Rosenstraße.

Das Richard'sche Haus versank in den Bombenangriffen auf Bochums Innenstadt während des Zweiten Weltkriegs. Heute steht ungefähr dort, wo Kortums Haus einmal stand, das Schuhhaus Lötte, an dem in Kürze eine neue Erinnerungstafel an Carl Arnold Kortum und sein ehemaliges Wohnhaus angebracht werden soll. Die Kosten dafür übernimmt Herr Beckmann, der Inhaber des Schuhhauses, aus Interesse an der besonderen Geschichte dieses Hauses.

Von der ursprünglichen Kortum-Gedenktafel aus Marmor, die 1876 von der Frühschoppen-Gesellschaft der Bochumer Ärzte gestiftet wurde und in Höhe der ersten Etage an Kortums ehemaligem Wohnhaus angebracht war, fehlt heute jede Spur. Sie trug folgende Inschrift:


In diesem Hause

lebte, dichtete und starb

der Königl. Hofrath

und Doct. medicinae

Carl Arnold Kortum

Verfasser der Jobsiade,

geb. 5. Juli 1745,

gest. 15. Aug. 1824.(16)


Heute noch existiert hingegen eine andere Gedenktafel für Kortum in einem Seitenhof der Wasserburg Kemnade, wo sie nun schon seit etlichen Jahren relativ ungeschützt der Witterung preisgegeben ist. Diese mächtige, an den Rändern geschweifte Steinplatte hat eine Größe von etwa 1,60 m x 1,15 m und trägt folgende Inschrift:


An dieser Stätte

lebte, dichtete u. starb der

Königl. Hofrat u. Dr. medicinae

Karl Arnold Kortum

Verfasser der Jobsiade

geb. 5. Juli 1845 - gest. 15. Aug. 1824.


Bei dieser Platte handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Gedenktafel, die nach dem Abbruch des Kortumhauses 1902 am neu erbauten Richard'schen Geschäftshaus dann in der Folgezeit angebracht wurde.(17)

Sowohl der Text selbst als auch die eigentliche Schreibweise dieser Inschrift zeigen zweifelsfrei, daß es sich um keine Gedenktafel aus der Zeit der Existenz von Kortums Wohnhaus - also aus der Zeit bis 1902 - handeln kann: Zum einen beginnt der Text mit "An dieser Stätte ..." und nicht wie die Tafel von 1876 mit "In diesem Hause ..."; zum anderen erscheint das Wort "Hofrat" ohne bisher übliches "th" am Schluß und Kortums erster Vorname mit "K" statt des bisher üblichen "C". Beide Schreibweisen zeigen, daß der Text dieser Tafel den Vorschriften der deutschen Rechtschreibreform von 1902 folgt, nach denen zum Beispiel die Schreibweise "Carl" nicht mehr zulässig war.(18)

Wo treffen die Bochumer noch auf Carl Arnold Kortum?

Im Stadtbild der wohl prominenteste Punkt dürfte der Kortumbrunnen auf dem Husemannplatz sein, der wegen der dargestellten Szene auch Jobsbrunnen genannt wird. Gestiftet hat ihn ein ortsansässiges Bankinstitut anläßlich der Grundsteinlegung zu einem Neubau im April 1986. Gut ein Jahr später, am 12. Juni 1987, wurde der fertiggestellte Brunnen der Öffentlichkeit übergeben.

Entwurf, Modell und künstlerische Ausführung besorgte der schwäbische Bildhauer Karl Ulrich Nuß aus Weinstadt-Strümpfelbach bei Stuttgart; gegossen wurden die bronzenen Einzelteile in der Kunstgießerei Straßacker in Süßen.(19)

Der Kortumbrunnen ist kein Brunnen im hergebrachten Sinn: Nuß läßt eine der berühmtesten Szenen aus der Jobsiade, das hochnotpeinliche Examen des Kandidaten Jobs, auf drei unterschiedlichen Ebenen ablaufen, dargestellt durch etwas skurrile überlebensgroße Bronzefiguren. Mit dem linken Bein auf dem Steinpflaster des Platzes, mit dem rechten auf der ersten und unteren, halbkreisförmigen Bronzescheibe steht selbstbewußt, aber in der Sache unglücklich, Jobs, der Kandidat. Vor und über ihm thronen - auf allerhöchster Ebene natürlich - zwei hochgelehrte, kopfschüttelnde Prüfer, ein dritter steht hoch aufgereckt zwischen ihnen und examiniert.

Der Künstler kontrastiert auf treffliche Weise den jugendlich-tumben Luftikus Jobs mit den drei verschrobenen, gestelzten und allemal hochnäsigen Gelehrtenkarikaturen.

Den eigentlichen Pfiff erhält die Szene durch einen Kunstgriff: Dem jungen Jobs gegenüber zieht - auf der anderen Seite des Brunnens - der alte Jobs hornblasend als heruntergekommener Nachtwächter - gleichsam wie einen Thespiskarren - die ganze Szene hinter sich her vom Platz.

Ihrem Carl Arnold Kortum zu Ehren ein bedeutendes Denkmal, zumindest einen Kortumbrunnen zu errichten, war bereits seit Jahrzehnten dringlicher Wunsch und erklärte Absicht vieler Bochumer Bürger. Konkret faßbar sind Pläne, die im Jahr 1924 - zum 100. Todestag Kortums - in Bochum geschmiedet wurden: Unter Mitwirkung von Prof. Alfred Vocke von der Staatlichen Kunstakademie in Kassel, dem Dortmunder Bildhauer W. J. Becker und dem Bochumer Stadtbaumeister Theodor Sohm waren bereits zwei Modelle entstanden, die Stadtrat Wilhelm Stumpf auf einer Gedenkveranstaltung am 12. und 13. September 1924 in der "guten Stube" Bochums, dem Parkhaus-Restaurant, präsentieren konnte. Das eine Modell zeigt den Dichter über reliefartigen Szenen aus der Jobsiade, die die Brunnenwände zieren, das andere Jobs unter zwei sich kreuzenden gotischen Bögen, ebenfalls über reliefgeschmückten Brunnenwänden.(20)

Um einen dieser Entwürfe oder einen ähnlichen realisieren und finanzieren zu können, hatte die Stadt Bochum im Jahr 1924 - auf Anregung der damaligen Vereinigung für Heimatkunde - eine Kortum-Medaille aus Bronze in einer Auflage von 1.000 Stück prägen lassen. Die Exemplare haben einen Durchmesser von 6,05 cm und leicht variierende Stückgewichte zwischen etwa 80 g und 90 g. Medailleur war der schon erwähnte Prof. Alfred Vocke aus Kassel, der auch die geplante Brunnenfigur und die Reliefplatten modellieren sollte; die Herstellung erfolgte in der Kunstgießerei C. Poellath in Schrobenhausen.

Bekannt sind außer bronzenen Medaillen auch ein schwarz-brüniertes Exemplar.(21) Die Vorderseite zeigt ein Brustbild Kortums im Linksprofil, nach einer eigenhändig getuschten Silhouette und nach anderen Selbstbildnissen entworfen. Die Legende lautet:

DEM DICHTER DER JOBSIADE / Dr. C. A. KORTUM / † ZU BOCHUM / 15. AUGUST / 1824

Die Rückseite zeigt - gekonnt in das Rund der Medaille komponiert - neun Bilder aus der Jobsiade: Geburt - Liebschaft - Zechgelage - Raubüberfall - Nachtwächter - Examen - Schauspielerei - Kanzelpredigt - "Freund Hein".


Abb. 6 und 7

Kortum-Medaille der Stadt Bochum zum 100. Todestag 1924


In den Gedenkkontext von 1924 gehört auch - neben Sonderbeilagen der Zeitungen und einigen Zeitschriftenaufsätzen zu Kortum(22) - ein schmaler Sonderdruck mit einem Gedicht von Albert Mummenhoff, das immerhin nicht weniger als 29 Vierzeiler umfaßt und auch auf einen Kortumbrunnen anspielt, diesen sogar auf der Titelseite abbildet.


Abb. 8

Jobsbrunnen - Darstellung 1924


Den Strophen ist zu entnehmen, daß auch der Brunnensockel dieser Fassung mit Reliefdarstellungen aus der Jobsiade verziert werden sollte.(23)

Bochum verfügt mit dem Kortumbrunnen von Karl Ulrich Nuß über einen bronzenen Jobs, besser, über zwei bronzene Jöbse. Bochum hat aber auch einen bronzenen Kortum!

Im Zugangsbereich der U-Bahn-Haltestelle Kortumstraße/Rathaus Nord, in der "Basement-Ebene" zwischen den Geschäftshäusern "City Point" und Drehscheibe, hat der Bochumer Bildhauer Heinrich Schroeteler die Wandgestaltung besorgt. Beim 1979 erfolgten Abbruch des "Hansahauses" (1908) wurden Teile der Jugendstilfassade geborgen und aufbewahrt,(24) die Schroeteler mit neuem Klinkermaterial zu einem ansprechenden Ensemble vereinigt hat, das zwar nicht mehr die Originalfassade repräsentiert, immerhin aber noch Teile der wertvollen alten Bausubstanz in einer reizvollen Gestaltung der Nachwelt vor Augen führt. In einem in die Anlage integrierten Erker ist eine von Schroeteler geschaffene Bronzebüste Carl Arnold Kortums zu sehen, der in der Tracht des beginnenden 19. Jahrhunderts halb aufmerksam, halb gedankenverloren in ein aufgeschlagenes Buch schaut.

Das Gesamtkunstwerk wurde von der Bochumer Firma Günter Ulbricht ausgeführt und am 4. Oktober 1984 in Gegenwart des Künstlers und des Bauunternehmers von Oberbürgermeister Eikelbeck der Öffentlichkeit übergeben.(25)

Leider zieht diese beachtliche Denkmalsituation seit ihrem Bestehen immer wieder auch Schmierer, Sprayer und andere trübe Zeitgenossen in ihren Bann, so daß ihr Erscheinungsbild nicht selten Anlaß zur Sorge gibt. Daß das Kortum-Jubeljahr diese Umstände etwas zu bessern hilft, bleibt zu hoffen.

An welchen Punkten können die Bochumer sonst noch ihrem Kortum begegnen?

Natürlich im "Kortum-Zimmer" auf Kemnade! Zwar liegt die Wasserburg auf Hattinger Grund und Boden, jedoch, sie gehört seit 1921 der Stadt Bochum, und sie beherbergt - nach dem Niedergang von Haus Rechen im Zweiten Weltkrieg - die Nachfolgerin des Bochumer Heimatmuseums, die "Stadthistorische Sammlung". Das "Kortum-Zimmer" auf Kemnade setzt eine beachtliche Tradition fort, die Bernhard Kleff bereits begründet hatte, bevor noch das Bochumer Heimatmuseum 1919 ins Haus Rechen übersiedelte.(26) Neben vielen Jobsiade-Ausgaben und anderen Kortum-Erinnerungen steht dort seit einigen Jahrzehnten auch eine Vitrine mit Handpuppen zur Jobsiade. Was es mit diesem Puppenensemble auf sich hat, soll aus Chronistenpflicht und aus Spaß an der spaßigen Materie hier festgehalten werden:

"Die von Oberstudienrat Wolfgang Kaftan geleitete Puppenspielschar der Graf-Engelbert-Schule wollte zur Eröffnung der Ruhr-Universität im Jahre 1965 eine besondere Aufführung herausbringen, möglichst von Bochumer Art. Kaftan wandte sich an den Kulturjournalisten und Autor Kurt Dörnemann. Der schlug vor, nach "Leben, Meinungen und Taten von Hieronimus Jobs dem Kandidaten" von Dr. Kortum ein Spiel mit Handpuppen zu machen.

Dörnemann schrieb ein Stück, in dem mit vierzig Handpuppen das Leben des verbummelten Studenten, erfolglosen Hauslehrers, davongejagten Dorfschulmeisters, verkrachten Schauspielers und heruntergekommenen Nachtwächters Hieronimus Jobs in neun Bildern darzustellen war. Weil die Puppen im Bestand der Schule nicht zu verwenden waren, setzte sich Dörnemann in Verbindung mit dem Puppenschnitzer Ludwig Königsberger in Augsburg, der die Köpfe aus Lindenholz schnitzte, und mit Therese van Treeck, Kostümbildnerin am Schauspielhaus Bochum, die die Puppen gestaltete: Sie machte die Kostümentwürfe, bemalte die Köpfe und ließ die Kleider nähen. Die Dekorationen stellte die Puppenspielschar selbst her.

Im November 1965 gab es in der immer ausverkauften Aula der Schule die Uraufführung und drei weitere Vorstellungen des Werkes "Hieronimus Jobs - ein Puppenspiel nach Dr. Kortums Jobsiade" von Kurt Dörnemann. -

Die Aufführung hatte allerdings nur zustande kommen können, weil Bochums damaliger Museumsdirektor Dr. Peter Leo mit seinem Institut die Kosten für den Augsburger Puppenschnitzer übernommen hatte, das waren - bei einem "Kopfgeld" von 40,-- DM - immerhin 1.600,-- DM. Dafür bekam das Museum nach den Aufführungen die Puppen für die die Kortumsammlung auf Haus Kemnade.

Kasper, Hieronimus, die Professoren und andere Figuren des Spiels wurden 1974 abermals aktiviert. Museumsdirektor Dr. Peter Spielmann ließ das Stück im Museum für Gäste eines in Bochum stattfindenden Chirurgentages in vier Vorstellungen aufführen. Diesmal gab es eine Inszenierung, die von den Puppenspielern Wolfgang, Sabine und Klaus Kurock sowie einigen Helfern gestaltet wurde, eine Vorstellung, die hernach noch mehrfach - auch in Dortmund und Witten - gezeigt wurde.

Da dieses Museumsprojekt von 1974 ganz kurzfristig gewünscht worden war, was den Spielern ein Textlernen nicht mehr erlaubte, wurde für diese Inszenierung vom Text und von der Musik eine Tonbandaufnahme gemacht, die Dörnemann mit Kollegen vom Westdeutschen Rundfunk in einem Tonstudio herstellte. Das Band sowie der Text der Urfassung sind im Besitz des Figurentheater-Archivs."(27)

Die bisher letzte Aufführung dieser Fassung erfolgte am 29. November 1981 zur 60-Jahrfeier der Vereinigung für Heimatkunde Bochum auf Haus Kemnade. -

Und dann ist Kortum im Stadtarchiv zu begegnen, das immer schon - neben dem Museum - Teilbereiche des Kortum-Nachlasses aufbewahrte und das erst vor kurzer Zeit den Zugang eines großen Teils von Kortums Nachlaß vermelden konnte: Es handelt sich um einen umfangreichen Bestand aus Kortums wertvoller Bibliothek und um etliche künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten und Dokumente, die die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen in Bochum noch lange beschäftigen dürften.

Des weiteren ist Carl Arnold Kortum an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) eine geschätzte und geehrte Persönlichkeit: Das Insitut für Geschichte der Medizin hat sich - unter der Leitung von Frau Prof. Irmgard Müller - intensiv in der Kortumforschung engagiert. Die medizinhistorische Sammlung der Ruhr-Universität, im Malakowturm der ehemaligen Zeche Julius Philipp an der Markstraße, die von Prof. Erich Püschel begründet und aufgebaut wurde, wird mit Ausstellungen und Projekten zu Kortum in dieses Engagement eingebunden.(28) Ein Drittes: Die Mediziner der Ruhr-Universität haben ihre höchste Auszeichnung, eine Ehrenmedaille, dem Andenken Kortums gewidmet und nach ihm benannt.(29)


Abb. 9 und 10
Kortum-Medaille der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum


Die Kortum-Medaille der Medizinischen Fakultät der RUB wurde bisher an drei Perönlichkeiten in Anerkennung ihrer Verdienste um die Fakultät und das "Bochumer Modell" der Medizinerausbildung verliehen: im Jahr 1991 an den Ministerialdirigenten a.D. Dr. Armin Danco und den Altrektor Prof. Peter Meyer-Dohm und im Jahr 1994 an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau. -

Eine Reihe unterschiedlicher Publikationen zu Kortum aus dem universitären Bereich rundet diesen Punkt ab.(30)

Von der Uni zur Schule: Auch eine Bochumer Hauptschule wurde nach Kortum benannt. Auf Anregung von Altbürgermeister Gerhard Zehnter hatten sich vor einem guten Jahrzehnt Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam mit Erfolg um diesen klangvollen Namen für ihre Schule bemüht, und so gibt es nun seit 1984 im Schulzentrum Wiemelhausen neben der "Albert-Einstein-" und der "Hans-Böckler-" die "Carl-Arnold-Kortum-Schule".

Die Bochumer können Kortum natürlich in jeder Bibliothek und in jeder Buchhandlung begegnen: Die Jobsiade - seit 1986 auch wieder als volkstümlicher und preiswerter Reclam-Band erhältlich - und die Kortum gewidmete Jobsiade von Wilhelm Busch sind überall zu bekommen; seit 1990 - 200 Jahre nach der Erstveröffentlichung im Jahr 1790 - ist auch seine bedeutende Stadtgeschichte "Nachricht vom ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt Bochum" in einem aufwendig erstellten Faksimile-Band erhältlich; andere seiner Schriften - in der Hauptsache natürlich verschiedene Jobsiade-Ausgaben - sind in gutsortierten Antiquariaten zu finden.

Die Stadt Bochum vertreibt auch einen kolorierten Druck der Nachzeichnung vom "Grundriß der Stadt BOCHUM im Jahr 1790 verfertigt von Doct: C.A. Kortum". Leider ist der Originalplan, dieses wichtige Unikat Kortums, das er seiner Stadtgeschichte von 1790 beigegeben hatte, nach dem 2. Weltkrieg verlorengegangen.(31)

Nicht nur in luftiger Höhe geistigen Anspruchs von Universität, Schule oder Bibliothek ist Kortum in Bochum anzutreffen - auch in der "bürgerlichen Niederung" einer gemütlichen, gutbesuchten Kneipe am Nordring - "vor den Toren der Stadt ..." Sie heißt "Jobsiade", und dort erinnern einige Bilder und sonstige Utensilien an Alt-Bochum und den Dichter der Jobsiade.

Langsam neigt sich der Reigen der Kortum-Reminiszenzen. Zu erwähnen lohnt noch die Existenz eines Dr. Kortum-Ärztehauses, das es seit den frühen Siebzigern gegenüber dem Bochumer Hauptbahnhof gibt, eine stattliche Gipsbüste "Kortum als Doktor" von Heinrich Schroeteler, die unverdrossen auf den Bronzeguß wartet, ein etwa 30 cm hoher Handpuppen-Jobs aus Porzellan, der auf Initiative von Herrn Dörnemann im Anschluß an sein Puppenspiel in einer Handvoll Exemplaren in Italien gefertigt wurde, ein in limitierter und einzeln numerierter Auflage erschienenes Medaillon aus Porzellan,(32) das das Konterfei Kortums ebenso zeigt, wie zwei unterschiedliche Bochumer Notgeldscheine zu je 500 000 Mark vom 6. und vom 15. August 1923, aus einer Zeit also, von der noch nicht ausgemacht ist, was die Bochumer damals mehr zwackte - das französische Besatzungsregime oder die galoppierende Inflation.(33) -

Zu nennen ist noch - last not least - der Bochumer Geschichtsverein, der sich als "Vereinigung für Heimatkunde Bochum e.V." anno 1921 im Stadtverordneten-Sitzungssaal des alten Bochumer Rathauses an der Alleestraße konstituierte und der sich in der Mitgliederversammlung vom 15. Februar 1990 den Namen "Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. - Vereinigung für Heimatkunde, Stadtgeschichte und Denkmalschutz" gab.(34) Diese Umbenennung - Programm und Verpflichtung gleichermaßen - sollte Kontinuität und Erneuerung, stadt- und landesgeschichtliche Verbundenheit und den Willen zur aktiven Mitarbeit an den denkmalpolitischen Aufgaben und Entscheidungen in Bochum widerspiegeln, vor allem auch verbindet sie die Arbeit des Geschichtsvereins mit dem wohl klangvollsten und bedeutendsten Namen der Bochumer Geschichte, mit dem Carl Arnold Kortums.

Carl Arnold Kortum und die Bochumer - ein wieder wachsendes Miteinander?

Das vorstehend aufgefrischte bunte Mosaik von Erinnerungs- und Identifikationspunkten - es ist sicherlich nicht vollständig - läßt ebenso hoffen, wie die für das Jubeljahr 1995 gültige Gewißheit

Bochum ehrt Kortum - Kortum ehrt Bochum.

Anmerkungen:
  1. Befragt wurden 50 über 16 Jahre alte Personen.

  2. Befragt wurden 119 Schülerinnen und Schüler eines Bochumer Innenstadt-Gymnasiums.

  3. Vgl. Greve, Maximilian: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeinde-Angelegenheiten der Stadt Bochum für das Jahr 1860 - 1861 mit besonderer Rücksicht auf die städtischen Zustände der Vorzeit, erstattet von dem Bürgermeister Greve. Bochum 1861, S. 60 und Fußnote. Dazu auch: Darpe, Franz: Geschichte der Stadt Bochum nebst Urkundenbuch. Bochum 1894, S. 581 und Anm. 4 sowie Brinkmann, Karl: Bochum - Aus der Geschichte einer Großstadt des Ruhrgebietes. Bochum 1950, S. 163 f. und dazu auch: Wagner, Johannes Volker und Wiborni, Monika: Bochum - ein verlorenes Stadtbild. Bochum 1994, S. 3 und S. 39 ff.

  4. Vgl. Kerber, Bernhard: Bochums Bauten 1860 - 1940. Bochum 1982, S. 37 f.

  5. Vgl. Wilbertz, Gisela: Stadtgeschichte über Gräbern - Historische Friedhöfe in Bochum. Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt 1991, S. 14 f. Dazu auch: Gegenüber der heutigen Hauptpost an der Wittener Straße informiert ein Schild über die örtlichen Gegebenheiten: Kortumpark - 1819 als gemeinsamer Begräbnispaltz für die Bochumer Pfarreien angelegt ("Alter Friedhof"). 1884 für Reihenbegräbnisse geschlossen und 1913 in eine Parkanlage umgewandelt. Als eine der ältesten Grabstätten befindet sich hier die des berühmten Bochumer Arztes und Dichters Carl Arnold Kortum (1745 - 1824) und seiner Familienangehörigen.

  6. In: "Zum Kortum-Gedenktag / 15. Aug. 1924". Sonderdruck, (Bochum) 1924

  7. Vgl. "Kortum-Gedenkblatt des Bochumer Anzeiger und General Anzeiger / Zur Erinnerung an C.A. Kortums 100. Todestag ...", Bochum 1924, S. 2

  8. Foto, StadtA BO, Nachlaß Camillo Fischer, Film 539

  9. Vgl. Darpe (1894), S. 549

  10. Vgl. Wilbertz, Gisela: Richtschwert und Dichterkranz / Vorfahren und Verwandte der Bochumer Schulgründerin Henriette von Noël. In: Beiträge zur westfälischen Familienforschung, Band 45 (1987), S. 150 und Anm. 67

  11. Vgl. Darpe (1894), S. 549 und Anm. 2

  12. Vgl. Deike, Karl: Carl Arnold Kortum. In: Die Heimat. 6. Jg. (August 1924), Heft 8, S. 198

  13. Vgl. Wilbertz, Gisela und Seebold, Gustav: "... der löblichen Apothekerkunst zugethan". Zum 300jährigen Jubiläum der Alten Apotheke in Bochum, Bochum 1991, S. 43 f. und Anm. 121 (S. 69): "Und zwar in jenem Haus Rosenstraße 6 gegenüber der Apotheke, das Henriette Kortum erbaut und 1827 an ihren Schwiegersohn Flügel verkauft hatte ..." Die abgebildete Postkarte wurde gestempelt am 02.09.1912; Verbleib: Sammlung des Verfassers

  14. Foto, Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt, Archiv-Nr. 78

  15. Foto: StadtA BO, Fotoslg.

  16. Deike (1924), S. 1

  17. Vgl. Bochum und seine Umgebung in Wort und Bild, Städte- und Reiseführer, Ausgabe 1908. Rheinisch-Westfälische Verlags-Anstalt, Bochum, S. 26

  18. Duden, Konrad: Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 7. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1902; Vorwort zur 7. Auflage, S. VII: "... Aber Vornamen müssen den allgemeinen Gesetzen folgen, und Schreibungen wie Carl, Conrad, Adolph, Rudolph sind nicht mehr zulässig."

  19. Vgl. Assel, Marina von: Kunst auf Schritt und Tritt. Bochum 1992, S. 98

  20. Vgl. Die Heimat. 6. Jg. (November 1924) Heft 11, S. 303 u. S. 305. Dazu auch: Ruhrnachrichten Nr. 83 vom 9. April 1980: "Kortumbrunnen statt Terminal - Leserbrief erinnert an die Überlegungen von 1924" von Ewald Altegoer, (seinerzeit) Werner Hellweg 33

  21. Vgl. Bochum - Ein Heimatbuch für Stadt und Land. Hrsg. Vereinigung für Heimatkunde Bochum e.V., 1. Band (1925), S. 53. Dazu auch: Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1948 - 1952, S. 94: "Die aus dem Verkaufspreis von Kortum-Plaketten angesammelte Rücklage zur Errichtung eines Kortumbrunnens ging durch den Währungsschnitt verloren. Die Mittel für die Prägung von 1.000 Plaketten anläßlich des 100. Sterbetages Kortums im Jahre 1924 waren durch freiwillige Geldspenden der Bürgerschaft aufgebracht worden. Die Stadt hat die Plakette in den späteren Jahren bis zur Beendigung des Krieges als Auszeichnung verliehen. Für jede verliehene Plakette wurde ein Geldbetrag von 10,-- RM an die Rücklage abgeführt. Später wurden die Plaketten der heimischen Wirtschaft zum Kauf angeboten und 111 Stück zum Preise von 30,-- DM je Stück abgesetzt. Der Fond zur Errichtung eines Kortumbrunnens war zuletzt wieder auf 3.425,-- DM angewachsen."

  22. Vgl. vor allem: Die Heimat. 6. Jg. (August 1924), Heft 8 und Kortum-Gedenkblatt des Bochumer Anzeigers ..., 1924

  23. 22. Hoch auf einem Brunnen, d'rin Ruhrwasser blinken,

    Seinen Spieß in der Rechten, sein Horn in der Linken,

    Steh', trauter Vergangenheit lächelnder Gruß,

    Als Nachtwächter Jobs' Hieronimus!


    23. Und am Sockel sollen die Bildnisse prangen

    Von jenen, die mit ihm durchs Leben gegangen;

    Zum Beispiel: Amalie, beinah sein Gemahl,

    Die ihm auf der Reise die Taschenuhr stahl,


    24. Und die, als sie im dritten Teil sterbte,

    Hieronimus all' ihre Güter vererbte,

    Daß er, einstmals ein armes Luder nur,

    Als Millionär in die Grube fuhr. -

  24. Diese Maßnahmen gehen zum Teil auf Initiativen der damaligen Vereinigung für Heimatkunde Bochum e.V. zurück, nachdem die Rettungsversuche für das Gebäude bzw. die Fassade gescheitert waren.

  25. Vgl. v. Assel (1992), S. 106

  26. Vgl. Kleff, Bernhard: Die Anfänge des Städtischen Museums zu Bochum. Bochum, im April 1918, S. 5 ff.

  27. Dörnemann, Kurt: maschinenschriftliche Mitteilung an den Verfasser (1995)

  28. Zum Beispiel: Sonderausstellung im Malakowturm, 1. Juli bis 15. Okt. 1991: Carl Arnold Kortum (1745 - 1824), Arzt - Volksaufklärer - Alchemist - Dichter; vgl. dazu den gleichnamigen Katalog

  29. Amtliche Bekanntmachung der Ruhr-Universität Bochum - Nr. 172, 1. März 1991:

    § 1 Die Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum verleiht an Freunde und Förderer der medizinischen Wissenschaft und Lehre eine Medaille. Sie trägt zu Ehren des wissenschaftlichen und literarischen Werkes des Bochumer Arztes Dr. med. Karl Anton (sic!) Kortum (1745 - 1824) die Bezeichnung "Kortum-Medaille". ... Die Ehrung ergeht an Personen, die sich in besonderer Weise um Forschung, Lehre oder um die Entwicklung der Medizinischen Fakultät verdient gemacht haben. ...

    § 5 Diese Ordnung tritt mit Wirkung vom 1. Dezember 1990 in Kraft.

    Ausgefertigt aufgrund des Beschlusses des Senats der Ruhr-Universität Bochum vom 08.11.1990.

  30. Pars pro toto: Schaller, Klaus: Dr. med Carl Arnold Kortum und seine Jobsiade. Akademische Morgenröte in Bochum vor der Gründung der Ruhr-Universität. Bochumer Universitätsreden, Heft 16, (1989)

  31. Vgl. Darpe (1894), Nachdruck 1991 durch Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. und Bochumer Antiquariat GmbH, darin: Brand, Eberhard: Einführung, S. 3 f.

  32. Die weißgrundigen, schwarz bedruckten Porzellan-Medaillons haben die Abmessungen 11,5 x 17,3 cm und sind durch die Firma Kaiser in einer Auflage von 500 Exemplaren hergestellt worden. In Auftrag gegeben hat sie die Firma B. Cremer in Bochum. Die damalige Vereinigung für Heimatkunde Bochum e.V. übernahm von Cremer bei Auflösung des Geschäfts im Jahr 1987 den Gesamtbestand der noch vorrätigen Kortum-Medaillons und vergab die Stücke ab 1988 als Jubiläumspräsente an ihre Mitglieder.

  33. Vgl. Wegener, Gerd und Zimmermann, Peter: Papier-Notgeld in Bochum 1914 - 1923. (1979), S. 28

  34. Vgl. Satzung der Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. - Vereinigung für Heimatkunde, Stadtgeschichte und Denkmalschutz - mit Präambel, beides vom 8. März 1990