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Inhaltsverzeichnis
Lage des Rathauses
Luftaufnahme des Bochumer RathausesHaus des Bürgers und politische Präsentation - Rathäuser sind gleichzeitig Orte der Dienstleistung, der Kommunalpolitik sowie Plätze, an denen sich Stadtgeschichte widerspiegelt.
Bis vor rund 150 Jahren war Bochum ein überschaubares Städtchen, dessen Bürger in erster Linie von der Landwirtschaft lebten. Durch Bergbau und Stahlindustrie entwickelte es sich rasch zu einer wirtschaftlich bedeutenden Großstadt. Der Apparat, der diese Stadt zu verwalten hatte, wuchs - und damit tauchte das Problem seiner Unterbringung auf.
Seit 1886 waren städtische Verwaltung, Magistrat und Ratsversammlung im alten Rathaus untergebracht, dem ehemaligen Hotel Soeding an der Alleestraße. Dort liegt heute der Rathausvorplatz. Die Räume des alten Rathauses reichten nicht aus, so dass einige Fachämter in angemietete, benachbarte Gebäude ausquartiert werden mussten. Erst mit dem 1894 fertig gestellten Erweiterungsbau und seinem großen Sitzungssaal an der Mühlenstraße, der heutigen Hans-Böckler-Straße, verbesserte sich die Situation vorläufig.
Vorgeschichte des Rathausbaus
Alter RathausbauIm Jahre 1912 beschloss der Magistrat der Stadt Bochum, einen Architektenwettbewerb für Entwürfe zu einem neuen Rathaus und einem Saalbau auszuschreiben. Einige der eingegangenen Entwürfe wurden prämiert, keiner ausgeführt.
Als sich in den zwanziger Jahren ein Rathaus-Neubau nicht länger aufschieben ließ, gab es eine neue Ausschreibung. Zu der Zeit standen auf dem ausgewählten, zentralen Gelände zwischen Allee-, Mühlen- und Albertstraße nach wie vor das alte Rathaus sowie das Sparkassengebäude, die beide der Neuplanung weichen sollten. Beim Baustil machte die Stadt keinerlei Vorgaben. Ihr kam es lediglich darauf an, ein Rathaus zu erhalten, das den "Charakter einer aufstrebenden modernen Industrie-Großstadt betont". Kein überflüssiger Prunk angesichtsgebotener Sparsamkeit, aber "eine würdige Ausgestaltung hinsichtlich der Architekturformen und Baustoffe". Auch diesmal erhielten einige Architekten einen Preis. Keinem der Bewerber wurde jedoch die Ausführung übertragen. Statt dessen machte schließlich der Darmstädter Architekt Professor Karl Roth das Rennen, der den Auftrag erhalten hatte, einen Entwurf außer Konkurrenz einzureichen.
Das architektonische Konzept
Rathausinnenhof mit "Brunnen der Schönheit"Das heutige und siebte Bochumer Rathaus mit seinen 500 Räumen beruht auf dem Entwurf von Roth, der sich mit Rathausbauten in Dresden, Kassel und Barmen einen Namen gemacht hatte. Die Bauarbeiten begannen 1926. Im Jahr 1927 erfolgte die Grundsteinlegung und nach gut vierjähriger Bauzeit fand am 20. Mai 1931 die Eröffnung des Rathauses statt. Im Wesentlichen kam es Roth auf einen streng symmetrischen Grundriss an sowie auf die Betonung eines großen Innenhofes abseits des Straßenverkehrs. In der Symmetrieachse des Ratshofes, also in der Hofmitte, schiebt sich der Saalbau mit den darunter um 1980 eingerichteten Trauzimmern des Standesamtes vor, so dass zu seinen beiden Seiten Nebenhöfe entstanden. Seitlich im Innenhof und unter dem Ratssaal lagen ursprünglich Kassenhallen, die vor der Einführung des bargeldlosen Verkehrs den Steuer-, Lohn-, Sozialzahlungen sowie der Sparkasse dienten.
Die Außenseite ist schlicht; das Eingangsportal und der zweistöckige erkerartige Vorbau an der rechten Front sind die einzigen Fassaden-Schmuckelemente. Der Innenhof ist dekorativ gestaltet. Für das solide Gebäude wurde wertvolles, widerstandsfähiges Material verwendet: Der Sockel besteht aus hartem Granitstein, für die Fassade wurde Muschelkalk verarbeitet, für das Steildach Schiefer, in den Fluren und Repräsentationsräumen Marmor, Kupfer und Bronze. Roth schuf ein Gebäude, das von architektonischen Modeerscheinungen weitgehend unabhängig blieb: ein Haus von zeitlosem ästhetischen Wert. Der für die Verwaltungsarchitektur der 20er Jahre typische Baustil zeichnet sich durch Schlichtheit und Sachlichkeit aus, ohne monoton zu wirken. Der Rathausbau kostete 9,25 Millionen Reichsmark - eine für damalige Verhältnisse hohe Summe.
Brunnen und Glocken
Rathausturm mit GlockenspielIn den Innenhof, der 40 Meter breit und 46 Meter tief ist, ragt zunächst der große Ratssaalbau hinein. Hier stehen der Glockenturm sowie die aus Travertin und Bronze gefertigten "Brunnen der Schönheit" linker Hand und "Brunnen des Glücks" rechter Hand. Die kleinen vergoldeten Putten beziehungsweise Kinderengel dieses Fortuna gewidmeten und im Krieg beschädigten Brunnens symbolisierten auf humorvolle Weise das häusliche Glück, denn sie zeigten einen Ehering, einen Pantoffel fürdie Häuslichkeit, einen Apfel für die Fruchtbarkeit und ein leeres Portemonnaie für die Sparsamkeit. Dass alles häusliche Glück Illusionsein kann, demonstriert bis heute eine Putte mit Schale, Pfeife und Seifenblase. Die sechste und letzte Putte hält eine Tafel mit der Signatur: „August Vogel hat mich gemacht" - Bildhauer und Medailleur aus Berlin.
Das Glockenspiel im Rathausturm stellt eine Besonderheit dar. Es besteht aus 28 Gussstahlglocken mit einem Gesamtgewicht von 2.300 Kilogramm, wobei die schwerste Glocke 375 und die leichteste vier Kilogramm wiegt. Es ist das erste aus Gussstahl hergestellte Glockenspiel der Welt. Das ursprüngliche Glockenspiel war im Krieg zerstört worden, das heutige schenkte der Bochumer Verein 1951 der Stadt. Es spielt bekannte Volksmelodien. Fachleute haben das Glockenspiel als das beste Spiel in Deutschland bewertet. Es kommt den alten, berühmten holländischen Glockenspielen gleich.
Rathausvorplatz mit GussstahlglockeAn den Weltruhm Bochumer Gussstahlglocken erinnert auch die auf dem Rathausvorplatz aufgestellte Glocke, die 1867 als größte von vier Glocken eine Attraktion auf der Weltausstellung in Paris war. Unter ihrem Geläut hatte man diese eröffnet. Gegossen hatte die Glocke der Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation, den später die Friedrich Krupp Hüttenwerke übernahmen. Nach der Pariser Ausstellung kehrte die Glocke nach Bochum zurück, wo sie bis 1979 als Denkmal auf dem Werksgelände der Krupp Stahl AG aufgestellt war. Diese übereignete 1979 der Stadt Bochum die Glocke, die einen Durchmesser von 3,13 Meternund ein Gewicht von 15.000 Kilogramm hat.
Die Firma Krupp spendete auch den Brunnen Fontana vor dem Bildungs- und Verwaltungszentrum (BVZ). Der Bildhauer und Grafiker Erwin Hegemann aus Hagen entwarf den im September 1985 eingeweihten Brunnen, den er aus Edelstahl und Titan fertigte.
Auf dem Platz zwischen Rathaus und BVZ finden sich die im Volksmund so genannten „nassen Augen" - flache Wasserscheiben, die der Düsseldorfer Künstler Erich Keusch mit eingetieften Kreissegmenten 1983 realisiert hat.
Im Rathaus
Innenaufnahme des Rathauses BochumDer Innenbereich des Rathauses hat seinen besonderen repräsentativen Charakter durch die beiden großen Hallen im ersten und zweiten Obergeschoss mit den anschließenden Räumen der Oberbürgermeisterin /des Oberbürgermeisters, des Stadtdirektors und der Dezernenten erhalten.
Die Ausstattung korrespondiert in ihrer Einfachheit mit der Gesamtkonzeption des Hauses, dabei dem Gedanken des Repräsentativen Rechnung tragend. So bestehen die Bronzetüren der Hauptportale auszahlreichen feinen Filigranornamenten und kleinen Plastiken nach Art der Florentiner Türen. Sie stammen von dem Frankfurter Künstler Augusto Varnesi. Die Stufen der Treppenhäuser, die Hallenböden und die roten Säulen sind aus Marmor.
Besonders beachtenswert erscheinen die Decken und Türumrahmungen aus Eichenholz mit vergoldeten Schnitten aus Lindenholz in den beiden Haupthallen des Rathausgebäudes. Die Zeitschrift "Bauamt und Gemeindebau" urteilte 1931 nach der Fertigstellung des Gebäudes: "Dabei ist überall gesorgt, dass durch die Ausstattung, die Wahl der Hölzer und Farben ein abwechslungsreiches und harmonisches Innenbild entsteht." Und weiter: "...durch weiträumige Anlagen und liebevolle Durchbildung der Einzelheiten sind hier formschöne Innenräume entstanden."
Glocke der Patenstadt Neidenburg
Im ersten Stockwerk findet sich vor dem Kleinen Sitzungssaal die Büste eines berühmten Bochumer Bürgers, dessen politische Karriere allerdings mit der Verbannung in Sibirien endete: des Grafen Heinrich Johann Friedrich Ostermann. Der im Jahr 1687 geborene Ostermann gelangte über eine Anstellung als Hauslehrer bei einem russischen Gesandten später nach Petersburg an den Hof des Zaren Peter I. und wurde dessen Geheimschreiber. Über die Positionen des Reichsvizekanzlers, Außenministers und Erziehers Peters des Großen brachte er es 1740 bis zum Großadmiral. Aufgrund seiner österreich freundlichen Politik verbannte ihn die Zarin Elisabeth. Im Jahre 1747 starb er in der Verbannung in Beresow.
Die Erweiterung
Bildungs- und Verwaltungszentrum mit Volkshochschule und StadtbüchereiBüroräume und Sitzungszimmer sind im Rathaus auf 29.104 Quadratmeter verteilt. Im September 1980 kamen mit dem BVZ 23.343 Quadratmeter Fläche hinzu. Neben dem für Verwaltungsbelange notwendigen Raum fanden hier Volkshochschule und Stadtbücherei eine großräumige Unterkunft. Mit dem BVZ, verbunden durch einen schmalen Übergang mit dem alten Rathaus, ist ein Forum der kulturellen Begegnung entstanden. Eine zweite Erweiterung kam 1982 hinzu: das angemietete Rathauscenter. Es ist im gleichen Baustil errichtet wie das BVZ und beherbergt Büroräume für Dienststellen der Stadtverwaltung.
Das Rathaus wurde März 1991 in die Denkmalschutzliste der Stadt Bochum aufgenommen. Dezember 2000 wurde das Bürgerbüro eröffnet, das Bochumern viele Dienstleistungen aus "einer Hand" ermöglicht. Das Ausländerbüro öffnete im Rathaus Bochum September 2002. Bei der Gestaltung war der historische Charakter des Hauses ebenso zu berücksichtigen wie aktueller Stand der Technik. Im Jahr 2003 erhielt das Bochumer Ausländerbüro den Humboldt-Preis für die freundlichste Ausländerbehörde Deutschlands.
Das Büro für Bürgerbeteiligung nahm August 2003 seinen Betriebauf. Die Einrichtung im Bochumer Rathaus ist zentrale Kontaktstelle für Einwohner, die sich beschweren möchten oder ein Anliegen zu ihren Mitwirkungsrechten haben.
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