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Wasserburg Haus Kemnade
Nur wenige Meter von der Ruhr entfernt, umrahmt von hohen Bäumen und von einem Wassergraben umgeben, liegt Haus Kemnade. Mit seinen dunklen, schweren Mauern vermittelt es auch heute noch ein Gefühl der Ruhe und Beständigkeit - eine malerische Erinnerung an längst vergangene Zeiten.
Der Name „Kemnade", sprachlich abgewandelt aus Kemenate, hat seinen Ursprung in dem lateinischen „domus caminata", das ein steinernes Kaminhaus bezeichnete, welches Zimmer mit eigenen Feuerstellen besaß. Die Geschichte des Hauses reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück.
Wie fast alle westfälischen Wasserburgen war auch Haus Kemnade Lehnsadelssitz. Seine Besitzer waren die Gerichts- und Patronatsherren von Dücker, von der Recke und von Syberg. Unter der Lehnshoheit der Grafen zur Lippe verfügten sie über die Grundherrschaft Stiepel, zu der - nachweislich seit dem 14. Jahrhundert - auch Haus Kemnade gehörte. Damals lag das Haus - von Stiepel aus gesehen - noch vor der Ruhr. Erst nach einem Hochwasser im Jahre 1486 nahm die Ruhr den heutigen nördlichen Verlauf und trennte Haus Kemnade von Stiepel.
Für lange Zeit stellte eine Fähre die einzige Verbindung zwischen den Stiepeler Bürgern und ihrer Burg her. Erst 1928 ersetzte die Kemnader Brücke diesen Weg. Mit der Fähre konnte man jedoch auch weiterhin „übersetzen". Bis zum Jahre 1960 wurde der Fährbetrieb bei Diergardt aufrechterhalten; der Straßenname „An der Alten Fähre" erinnert heute daran.
Das heutige Haus Kemnade ist nicht mehr das ursprüngliche Gebäude, sondern wurde in den Jahren 1602 bis 1704 auf den Grundmauern der 1589 abgebrannten ersten Wasserburg errichtet. Die Bauarbeiten, die der Lehnsträger Wennemar von der Recke 1602 begann, wurden durch den spanisch-niederländischen Krieg, den jülisch-klevischen Erbfolgekrieg und schließlich durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen und verzögert. Erst 1662 setzte sein Nachfolger, Johann Georg von Syberg, die Arbeiten fort. Das notwendige Baumaterial lieferte die arg demolierte Burg Blankenstein, deren Abbruch er erwirkte. Sein zweiter Sohn, Friedrich Mathias von Syberg, der 1679 Lehnsträger wurde, beendete die Arbeiten in den Jahren 1702 / 1704.
In langer Bauzeit war aus heimischem Ruhrsandstein das heutige Haus Kemnade entstanden, ein Burghaus, das durch die geschlossene Bauweise und die schlichte Gestaltung der Fassaden auffiel. In den folgenden Jahren gehörte es zum Besitz der verschiedenen Lehnsträger, bis Kaiser Napoleon das Lehnswesen 1809 aufhob. Die Wasserburg kam damit in den persönlichen Besitz seiner Bewohner.
Im Jahre 1921 erwarb die Stadt Bochum Haus Kemnade von dem damaligen Eigentümer, dem königlichen Kammerherrn Baron Ludwig von Berswordt-Wallrabe. Als Zeugnis früherer Baukultur steht Haus Kemnade, ein Bauwerk der Renaissance, unter Denkmalschutz. Bedeutungsvoll sind der Rittersaal im ersten Obergeschoss mit seiner kunstvollen Stuckdecke und dem großen Renaissance-Wappenkamin und den vier Gobelins aus Tournai aus dem Jahre 1725, die Szenen aus Don Quijots zeigen. Auch die gotische Kapelle im Erdgeschoss sowie der Kamin im kleinen Saal mit Darstellungen der Schöpfungsgeschichte gehören zu den Sehenswürdigkeiten des Hauses.

Neben den zum Hause gehörenden Kostbarkeiten beherbergt die Wasserburg heute auch Stadthistorische Sammlung mit dem Kortumarchiv und die Musikinstrumentensammlung Grumbt. Die Stadthistorische Sammlung zeigt alte und neue Ansichten von Bochum, Pläne, Modelle und Fotos. Das Hauptstück der Kortumsammlung ist die Handschrift der "Jobsiade" des Stadtarztes C.A. Kortum aus dem Jahre 1783. Das Archiv enthält neben dem Erstdruck von 1784 fast alle späteren Ausgaben und die Übersetzungen ins Polnische, Tschechische und Holländische. Die Musikinstrumentensammlung des ehemaligen Bochumer Kammermusikers Hans Grumbt und seiner Frau Hede umfasst 500 Instrumente und Spieluhren aus aller Welt, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen. Ein großer Teil davon sowie wertvolle Handschriften und Erstdrucke von Noten und musikhistorischen Publikationen sind in Haus Kemnade ausgestellt. Zu den Sammlungen in der Burg Kemnade gehört seit einiger Zeit auch die Sammlung Ehrich. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung ostasiatischer Kulturgüter, die unter anderem sehenswerte japanische Gürtelschnallen zu bieten hat sowie verschiedene Darstellungen der sieben japanischen Glücksgötter.
Schatzkammer Kemnade - Geldgeschichtliche Sammlung der Sparkasse Bochum
Im Mittelpunkt des Museums steht eine der größten Spardosensammlungen Deutschlands. Vom ältesten deutschen Sparschwein aus dem 13. Jahrhundert bis zur venezianischen Ballusterdose aus edlem Porzellan, von amerikanischen Guss-Spardosen bis zu filigranen Sparbehältern aus Silber und Gold finden sich hier alle denkbaren Spargefäße.
Neben dem Sparen bildet die Entwicklung und Geschichte der Zahlungsmittel und des Geldes einen weiteren Schwerpunkt. Traditionelles Naturalgeld wie Muschelketten, Teeziegel, Salzblöcke und Kanonenrohre sind in der Schatzkammer ebenso zu bestaunen wie die Entwicklung des Münzwesens.
Mit den Münzen brauchten die Menschen Möglichkeiten, diese zuverstauen. Von zierlich bestickten Portemonnes bis zu massiven mittelalterlichen Geldtruhen zeigt die Schatzkammer viele Möglichkeiten der Geldaufbewahrung.
Ein Sammelgebiet mit lokalhistorischem Bezug bilden die Not- und Inflationsgeldscheine in Millionenwerten aus Bochum und Umgebung. Kleine und große Unternehmen brachten 1923 eigene Geldscheine heraus und dokumentieren so ein Stück Stadtgeschichte.
Öffnungszeiten und Sonderführungen:
Für Kindergärten und Schulklassen sind Sonderführungen möglich! Bitte eine Woche vorher anmelden. Die aktuellen Öffnungszeiten erfragen Sie bitte unter den genannten Telefonnummern.
Adresse:
Schatzkammer Kemnade, Geldgeschichtliche Sammlung der Sparkasse Bochum
An der Kemnade 10, 45527 Hattingen, Telefon: 02324 / 3 02 68, 0234 / 6 11 15 01
Bauernhausmuseum
Östlich der Oberburg steht ein Vierständer-Fachwerkhaus, das um 1800 erbaut wurde und in dem die Stiepeler Meierei untergebracht war. Um es vor dem Verfall zu bewahren, wurde es Anfang der siebziger Jahre an seinem alten Standort zerlegt und hinter Haus Kemnade wieder aufgebaut und eingerichtet. Das Bauernhausmuseum zeigt eine Sammlung ländlicher Kultur, zu der Möbel des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Westfalen und dem Bergischen Land sowie bäuerliches Gerät gehören.
Kemnader See
Der in den Jahren 1976 bis 1979 erbaute See ist Kernpunkt einer großräumigen Freizeit- und Erholungsanlage. Am und um den Kemnader See sind die verschiedensten Freizeitaktivitäten möglich: Neben Radfahren, Tennis, Surfen, Rudern, Inline-Skaten, Rollschuhlaufen, Angeln und Segeln, lädt das Freizeitbad Heveney mit einer einzigartigen Bade-, Sauna- und Freizeitanlage darüber hinaus zum Wasserspaß ein.
Vom Freizeitbad lohnt ein Spaziergang zum unweit gelegenen Haus Herbede, einer ehemaligen Wasserburg, die bereits im Jahre 1200 urkundlich erwähnt wird. Im Biergarten oder in der Gastronomie des Hauses lohnt eine kurze Rast, um das Naherholungsgebiet Kemnader See weiter zu erforschen.
Notfall an der Ruhr und am Kemnader See (RuSIS)
Ehemalige Zeche Gibraltar
Die Reste der ehemaligen Zeche Vereinigte Gibraltar Erbstollen sind heute Teil des Erholungsgebietes "Kemnader See", der direkt im Städtedreieck Bochum, Witten und Hattingen liegt. Nach der Mutung 1786, wurde mit der Auffahrung des Stollens 1830 begonnen. Die Stollenlänge betrug 2.000 Meter. Im Jahre 1855 förderten 123 Bergleute 21.370 Tonnen Kohle. Mit der Abteufung eines Schachtes im Jahre 1921 war der Übergang zum Tiefbau geschafft. Die Zeche hatte zu Spitzenzeiten eine Belegschaft von 480 Mann. Jährlich wurden etwa 120.000 Tonnen Kohle gefördert. Nach relativ kurzer Förderungszeit wurde die Zeche bereits 1925 stillgelegt. Das Stollenmundloch steht unter Denkmalschutz und wurde 1985 durch die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bochum restauriert. Neben dem ehemaligen Zechengebäude ist ein Flözaufschluss sehenswert.
Traurige `Berühmtheit" erlangte die stillgelegte Zeche während des Dritten Reiches. Die Nazis richteten hier eine SA-Standartenführerschule sowie ein Untersuchungsgefängnis und einen Folterkeller ein. - Nach 1945 wohnten Flüchtlinge in der Zechenhalle.
Historische Informationen
Luhns Mühle
Unweit des Ölbacheinlaufs in den Kemnader See steht Luhns Mühle, die ihren Ursprung im Jahr 1826 hat. Am 8. März 1826 schloss Carl Luhne mit dem Erbpächter Johann Heinrich Hedtmann einen Erbpachtvertrag für einen Pachtzins von 40 Reichstalern „für immer und ewig", um auf einer kleinen Wiese am Ölbach ein Hammerwerk zu errichten. Der Luhnsche Hammer mit einem daneben errichteten Puddelofen belieferte die Schmiede am Ort und in der weiteren Umgebung, die das Eisen für den Wagenbau, Hufbeschlag und Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten benötigten. Auch der Windenschmied Neuhaus in Heven gehörte zum Kundenkreis.
Am 28. Juni 1832 kaufte Carl Luhne den Mühlenkotten einschließlich Öhlmühle für 1.140 Reichstaler, ließ das alte Fachwerkhaus abreißen und errichtete ein neues Mühlenhaus näher zum Ölbach hin. Als der Betrieb der Öhlmühle nicht mehr lohnte, wandelte Carl Luhne die Öhlmühle 1854 in eine Korn- und Mahlmühle um.
Gustav Luhn starb 1901. Sein ältester Sohn Gustav Luhn jun., geboren 1857, übernahm den Mühlen- und Sägekotten. Er errichtete zwischen Mühle und Sägeschuppen eine Werkstatt, in der er Spaten- und Schaufelstiele sowie Waschbretter herstellte.
Im Jahre 1926 kaufte der Ruhrverband die Wasserrechte, um den Ölbach zu verlegen und an seinem Unterlauf Klärteiche anzulegen. Damit wurde der Mühle das Betriebswasser entzogen. Die Mühle wurde auf elektrischen Antrieb umgestellt. Luhns Mühle wurde in diesen Jahren ein beliebtes Ausflugsziel mit Gartenwirtschaft. Heute ist die ehemalige Mühle Teil des Freizeitzentrums Kemnade. Im ehemaligen Wohngebäude sind Information und Verwaltung. Die frühere Sägewerkshalle dient als Bootslager und ist Bestandteil eines Betriebshofs geworden.
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