

Die Gründung von Kirche und Pfarrei geht Überlieferungen zufolge auf den heiligen
Bischof Suitbert zurück. Aus der Zeit um 1000 stammt der frühromanische Taufstein
der Propsteikirche. Getragen von vier mächtigen Löwen zeigt er eindrucksvolle
Darstellungen aus dem Leben Jesu. Er gilt als einer der ältesten Figurentaufsteine
Deutschlands.
Besondere Beachtung verdient der neu gestaltete Chorraum mit Altar, Sakramentshaus,
den Lese- und Verkündungspulten, dem ewigen Licht und dem großen Chorkreuz. Alle
diese Kunstwerke schuf der Bildhauer Paul Marx aus Leverkusen-Lützenkirchen. Die mit
45 Registern ausgestattete Orgel wurde 1982 fertiggestellt.

Kunstwerk des Bildhauers Paul Marx aus Leverkusen-Lützenkirchen
Der Bochumer Friedhelm Plötz gestaltete 1992 ein neues Fenster für das Turmportal. Es zeigt die heilige Gertrud als Schutzpatronin der Kirchen in Nivelles und Wattenscheid.
Die Propsteikirche St. Gertrud von Brabant ist ein eindrucksvolles Bauwerk von
geschichtlicher Bedeutung, von dem im Mittelalter eine stadtbildende Wirkung ausging.

Frühromanischer Taufstein der Propsteikirche St. Gertrud von Brabant
Der Gertrudisplatz und frühere Marktplatz zählte in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den ältesten Sportstätten in Wattenscheid. Inzwischen hat sich der Gertrudisplatz zu einem zentralen Kundgebungsort entwickelt. Auch Kirmes- und Zirkusveranstaltungen beleben den Platz.

Die Beleuchtung und der Opfertisch in der Mitte lassen die Halle sakral erscheinen. Zur Zeit des Nationalsozialismus befand sich auf der Terrasse oberhalb der Krypta ein künstlicher Brunnen. Über dem Brunnen war eine nationale Variante des Spruches der Thermopylenschlacht (480 vor Christus) in Bronze in den Stein eingelassen: "Weilst Du an diesem Ort, gedenke in Ehrfurcht der Väter und Söhne, die für Dich und Deutschlands Ehre kämpften und starben!"
Weit versöhnlicher klingt die Inschrift, die nach 1945 in die Ehrentafel der Krypta eingemeißelt wurde: "Hier wollen wir Euch gegenwärtig sein. Vergesst uns nicht! Sorgt, dass Frieden blüht aus unsern Gräbern."

Unweit der St. Gertrudiskirche steht am Alten Markt die älteste evangelische Kirche Wattenscheids, die 1763 mangels des nötigen Geldes nach 80 Jahren dauernder Bauzeit fertiggestellt wurde. Von besonderer Schönheit ist der barocke, aus Lindenholz gearbeitete Kanzelaltar. Er wurde 1694 von dem Altarschnitzer Diedrich Körmann geschaffen und ist in Westfalen einmalig.
Dem Kanzelaltar gegenüber steht auf und vor der Empore der reich gegliederte Orgelprospekt im Rokokostil.
Die beiden Kleinode rheinisch-westfälischer Holzschnitzkunst sind 1956 von Professor Thol aus Gelsenkirchen und seinem Sohn restauriert worden.

Im Jahre 1880 wurde die evangelische Friedenskirche am sogenannten "Dreieck" (Oststraße) eingeweiht.
Der fünfzig Meter hohe Turm blieb lange Zeit ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Wattenscheider Innenstadt. Typische klassizistische Stilelemente, kennzeichnend für derzeitige Kirchenbauten, lassen sich in der Gestaltung des Innenraumes erkennen.