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Inhaltsverzeichnis
Zur Baugeschichte
Lage im Stadtplan
Außenaufnahme der St. Vinzentius-KircheIn einer Stadt mit wenigen Baudenkmälern hat die St. Vinzentius-Kirche
in Bochum-Harpen einen besonderen Stellenwert. Architektur und
Inneneinrichtung vermitteln einen Eindruck von der großen
Kirchenbaukunst westfälischer Vorfahren. Das Alter der Kirche lässt
sich ziemlich sicher bestimmen: Der steinerne Baukern entstand um das
Jahr 1000 auf einer kleinen Anhöhe. Damit ist die Kirche fast so alt
wie die Stiepeler Dorfkirche (1008) im Süden der Stadt, auf den Höhen
über der Ruhr. Der Schutzpatron des Gotteshauses, St. Vinzentius, ist
ein spanischer Märtyrer, der im Jahre 304 in Saragossa verbrannt wurde.
In den Jahren 1975 bis 1978 wurde die St. Vinzentius-Kirche renoviert.
Grabungsarbeiten brachten Reste eines Chorraum-Fundaments im „Fischgrätmuster" zutage,
eine für die ottonische Baukunst um das Jahr 1000 typische Form.
Dazu fanden sich Reste eines Bodenbelages.
Eine ebenfalls bei den Renovierungsarbeiten gefundene Silbermünze aus der Zeit von 997 bis 1012 bestätigt das Alter der Kirche.
Von der Vorkirche bis heute
Außenaufnahme der gesamten St. Vinzentius-KircheDiese erste Kirche war eine einfache Saalkirche mit einem Flachdach.
Sie muss etwa 8 Meter lang und 6,60 Meter breit gewesen sein. Die
Chorapsis, der Altarraum, maß 4 mal 4,20 Meter. Schon um 1050 erhielt
sie einen Anbau, der als Leichen- oder Trauerhalle diente. Das
Schicksal dieser ersten Kirche in Bochum-Harpen ist leider unbekannt,
ebenso der Grund für die Errichtung der „Romanischen Pfeilerbasilika"
um 1150 bis 1200. Die Basilika - eine für den damaligen westfälischen
Raum schöne Anlage - blieb bis etwa 1470 unverändert. Die Westjoche des
Mittelschiffes und Teile der Seitenschiffe mit Turmwand gegen den
Kirchenraum sind bis heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Um
das Jahr 1475 wurde die Kirche erweitert, der romanische Chorabschluss
durchbrochen und der gotische Altarraum eingefügt. Die Wand des
nördlichen Seitenschiffes wurde in Höhe der Apside mit einem großen
gotischen Fenster versehen. Dadurch fiel auf den zur gleichen Zeit
eingesetzten Dreikönigsaltar mehr Licht. Die Sakristei wurde etwa 100
Jahre später angebaut.
Im Jahre 1905 veränderte sich die Kirche ein weiteres Mal: An
der Südseite erhielt sie einen Anbau mit Empore im neugotischen Stil.
Auch am Kirchturm - einem ehemaligen Wehrturm aus der Zeit vor 1000 -
hatten die vergangenen Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Er wurde
im Jahre 1876 erneuert und blieb bis 1940 unversehrt. In diesem Jahr
fiel die Turmspitze einem Wirbelsturm zum Opfer. Erst 1952 wurde der
Turm repariert und als Giebelturm mit Dachreiter umgestaltet.
Der Barock-Altar
Innenaufnahme der St. Vinzentius-Kirche mit asymetrischem Barockaltar
Im Inneren der Kirche fällt der Blick auf den Barock-Altar, der die
Jahreszahl 1699 trägt. Bei genauerem Hinsehen erkennt der Betrachter
die asymmetrische Bauweise, die dazu einlädt, Unterschiede zwischen der
rechten und linken Altarseite zu suchen. Es handelt sich um einen
Sakramentsaltar, der im Oval die Taufe Jesu im Jordan, darunter die
Einsetzung des Heiligen Abendmahls und als Bekrönung den auferstandenen
Herrn mit den Triumphengeln zeigt. Die beiden Altarbilder sind
Reproduktionen aus den Jahren 1869 / 70.
Das Abendmahlsbild war von 1905 bis 1976 durch das Bild „Jesus
im Garten Gethsemane" ersetzt, das seinen Platz im südlichen
Seitenschiff gefunden hat.
Auf dem neuen Unterteil des Altars liegt die alte geweihte
Altarplatte, die ehemals zum Dreikönigsaltar in der Nordnische gehörte,
der inzwischen aufgelöst wurde. Das Altarkreuz mit dem byzantinischen
Mittelkreuz stammt aus dem Jahre 1983. Es hat die Form eines irischen
Kreuzes und weist auf die Heimat der Missionare hin, die hier in früher
Zeit die christliche Botschaft verkündigten.
Der Bemalung des Altars - er trägt die achte Farbschicht -
wurde die zweite Farbschicht von unten zu Grunde gelegt, die aus der
Zeit um 1750 stammt.
Kostbarkeiten aus der Vorzeit
An der Nordwand des Altarraumes ist das große Sakramentshaus (1471) zu
sehen, eine Stiftung der Herren zur Wiesche, die Patrone der Kirche
waren. Offensichtlich war dieses Werk der Hochgotik ursprünglich nicht
für die Harpener Kirche bestimmt, denn über der Nische ist es verändert
worden. In der Nische ist ein Christuskopf aus der Zeit um 1200
angebracht.
Eine seltene Kostbarkeit stellt das Reliquienglas aus dem
Dreikönigsaltar dar, das die Dreikönigsreliquie enthält. Es ist davon
auszugehen, dass sie aus dem Dreikönigsschrein des Kölner Doms
entnommen wurde. Im Glas ist das Siegel des Bischofs, der die
Altarplatte geweiht hat; die Inschrift ist leider unleserlich. Am
Gewölbe des Chores sind Reste einer Ausmalung zu sehen, die etwa um das
Jahr 1470 entstanden sein muss. Sie lassen einen Engel erkennen, der
Christi Kreuz trägt.
Dreikönigsrelief Das Dreikönigsrelief (um 1400) an der Nordwand des Chores stellt die
Anbetung der drei Könige aus der Weihnachtsgeschichte dar. Über dem
Relief befindet sich eine Sakramentsnische; im Giebel ist Jesus
Christus als Weltenrichter dargestellt.
Über der Bekrönung erkennt der Betrachter den gekreuzigten
Christus. Diese Darstellung ist ein Überbleibsel einer Freskomalerei,
die um 1300 entstanden ist. St. Vinzentius, der Schutzpatron der
Kirche, hat seinen Platz in der Pfeilernische gefunden. Er trägt in der
rechten Hand die Bibel, in der linken die Fackel. Baldachin und die
Konsole mit dem Wappen der Familie Dueker ergänzen das Standbild.
Gestern und heute
Der Taufstein passt vorzüglich in das bisherige Bild und verbindet
Altes und Neues in der St. Vinzentius-Kirche. Sein oberer Ring ist das
Reststück eines Taufsteines aus dem 12. Jahrhundert. Es zeigt eine Gans
- Symbol der Wachsamkeit - als Sinnbild des Geistes Gottes und die
Blatt-Girlande, das Grün des Lebens. Der Taufleuchter um 1830 stammt
aus England.
Innenaufnahme der St. Vinzentius-Kirche mit Blick auf den Altar
Auch die Orgel wird dieser Besonderheit der Kirche gerecht und schlägt
eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Geschichte der
Orgel in der St. Vinzentius-Kirche lässt sich bis etwa 1580
zurückverfolgen. Da das Pfeifenmaterial der alten Orgel aus dem Jahre
1866 / 67 zum Teil noch vorzüglich erhalten war, wurde darauf
verzichtet, eine vollständig neue Orgel anzuschaffen.
Die noch brauchbaren elf Register der Peternell-Orgel wurden um
neun neue Register ergänzt. Das Ergebnis dieser Kombination aus Alt und
Neu ist eine hervorragende, klangvolle Orgel.
Sehenswert sind auch die Bergmannsfenster unter der Süd-Empore.
Die Berliner Künstlerin Helene Starck hat sie im Jahre 1939 auf der
Zeche Robert Müser „vor Ort" entworfen. Auch sie haben ihre besondere
Geschichte. Die Fenster, die Bergleute bei der Arbeit zeigen, wurden
wegen des Krieges zunächst nicht eingebaut, sondern auf der „5. Sohle"
der Zeche Amalia gelagert. Bergleute entdeckten sie nach Kriegsende
durch Zufall wieder. Sie wurden 1949 an ihren vorgesehenen Platz in der
St. Vinzentius-Kirche gebracht.
Bei den wertvollen mittelalterlichen Glocken handelt es sich um
die Vinzentius-Glocke aus dem Jahre 1483 und die Maria-Glocke aus dem
Jahre 1484.
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