Epiphanias-Kirche in Bochum-Hamme
Geschichte und Baustil
Die Kirche wurde im Jahr 1929 vom Architekten W. Tiefenbach aus Castrop-Rauxel im Sinne "neuer Sachlichkeit" entworfen und schon ein halbes Jahr nach Grundsteinlegung (7. Juli 1929) am 2. Februar 1930 als Erlöserkirche geweiht. Den jetztigen Namen "Epiphanias-Kirche" erhielt sie erst bei der Wiedereinweihung nach dem 2. Weltkrieg am 12. Februar 1950. Sie ist eine der wenigen noch erhaltenen Kirchen im Ruhrgebiet mit Elementen des Bauhausstils und des Expressionismus der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und setzt sich damit im Sakralbau deutlich von der historisierenden Nachahmung geschichtlicher Vorbilder ab. Seit dem Jahr 2005 steht die Kirche unter Denkmalschutz und nimmt am Tag des Denkmals (zweiter Sonntag im September) teil.
Typisch für den Bauhausstil ist die schlichte geometrische Formensprache, die in dem rechteckig geschachtelten Turm (29,5 Meter hoch) und den aufstrebenden Säulen des Innenraums Eckiges und Kantiges betont - andererseits in der halbrund hervorstehenden Kanzel, der halbrund geschwungenen Empore sowie in Runderkern an Kirche und Pfarrhaus ihren Ausgleich findet.
Der nüchterne und funktionale Zweckbau - der Gemeindesaal liegt unter dem Kirchraum, das Pfarrhaus gleich daneben - passt in das Umfeld der Fabrikhallen. Fast könnte man das Gebäude mit einem der alten Industriebauten oder einem Malakowförderturm verwechseln, wenn nicht das Kreuz auf dem kantigen Turm ein anderes Zeichen setzte.
Von außen wirkt der dunkle Backsteinbau eher unansehnlich, der freundlich helle Innenraum aber überrascht den Besucher, besonders wenn das Sonnenlicht durch die bleivergasten Buntfenster scheint.
Einige Besonderheiten
Die Glocken
Die drei Glocken wurden 1929 in der Glockengießerei des Bochumer Vereins aus Gusstahl gegossen. Dies Material verleiht dem Klang eine gewisse Härte und Schärfe. Die Glocken wurden am 18. Dezember 1929 feierlich geweiht.
In den Bombenangriffen auf das Revier blieben das Kirchgebäude und auch der Turm mit den Glocken weitgehend unbeschadet. Auch wurden Glocken nicht zu Kanonen eingeschmolzen
Die Glocken tragen eigene Namen und Inschriften.
Friedensglocke: "ER ist unser Friede." Epheser 2, 14
Stimmung d', Gewicht 1.350 Kilogramm, Durchmesser 1.470 Zentimeter
Trostglocke: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." Johannes 14, 19
Stimmung f', Gewicht 1010 Kilogramm, Durchmesser 1.330 Zentimeter
Hoffnungsglocke: "Siehe, ich mache alles neu." Offenbarung des Johannes 21,5
Stimmung g', Gewicht 700 Kilogramm, Durchmesser 1.170 Zentimeter
Die Glocken erklingen mit den ersten Tönen des alten Lobgesangs "Te deum laudamus" (Herr Gott, dich loben wir): d-f-g. Am Mittag um 12 Uhr und am Abend um 18 Uhr läutet die Hoffnungs-Glocke.
Samstags um 18 Uhr und sonntags um 10 Uhr läuten alle drei gemeinsam und laden zum Gottesdienst ein.
Der universale Christus
Der 1,65 Meter hohe fast lebensgroße Corpus wurde 1956 von dem Essener Architekten und Bildhauer Ernst Hackländer (geboren 31. Juli 1913 in Essen) aus Stein gegossen. Am 27. Mai 1956 wurde das Kruzifix in der Epiphanias-Kirche eingeweiht. „Der universale Christus“ hat der Künstler sein Werk genannt.
Es ist nicht zuerst der leidende, unter dem Leiden und der Last der Schuld in den Tod sinkende Christus, wie er auf vielen Kreuzigungsbildern begegnet. Vielmehr ist für den Corpus eine schwerelose nach oben strebende Leichtigkeit kennzeichnend. Die Hände weit ausgebreitet und geöffnet, umfassen alle Menschen und den ganzen Kosmos. Diese Interpretation nimmt Aussagen des Johannesevangeliums auf, die das Sterben am Kreuz als Erhöhung in den Himmel deuten; Sterben, Auferstehen und Auffahrt Jesu werden in eins gesehen. So nimmt dies Kreuz den Betrachter mit auf den Weg, den Christus voranging und der weit über dieses Leben hinausführt. ‚Der Universale Christus’ stellt erinnernd die Verheißung vor Augen, die Jesus den Seinen gab: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.“ (Joh 12,32).
Die Schuke-Orgel
Die erste Orgel wurde am 20. Juni 1954 eingeweiht. Es war eine gebrauchte elektro-pneumatische Orgel der Firma Euler, an der mit der Zeit immer häufiger Mängel auftraten.
2003 entschloss sich die Gemeinde zum Kauf einer 25 Jahre alten Orgel aus der evang. Friedenskirche in Essen-Steele. Im Januar 2004 wurde die Orgel durch Gemeindeglieder vor Ort unter fachmännischer Anleitung des Orgelsachverständigen Dr. Siegfried Schwertner abgebaut und zerlegt.
Von Januar bis März 2004 wurde sie in der Epiphanias-Kirche ebenfalls in Eigenleistung wieder aufgebaut. Nach einem Entwurf von Dr. Schwertner erhielt die Königin der Instrumente ein neues Gehäuse, das die Stilelemente des Kirchraums aufnimmt.
Die mechanische Orgel hat 23 klingende Register, enthält ca. 1700 Pfeifen und stammt aus der bekannten Werkstatt Schuke (Berlin).
Am Sonntag Kantate, 9. Mai 2004, wurde sie in einem Gottesdienst und mit einem ersten Konzert eingeweiht. Seitdem finden immer wieder „
Epi-Konzerte“ mit der Orgel statt.
Veränderung des Umfeldes
Bei der Einweihung lag die damalige Erlöserkirche als ein repräsentatives Gebäude am Hindenburgplatz, auf dem sich die Bundesstraße 1 (Ost-West) Dortmund-Essen und die Dorstener Straße (Nord-Süd) Herne-Bochum kreuzten. Dazu mündete die Hindenburgallee in den gleichnamigen Platz.
Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts baute man die B1 für den zunehmenden Verkehr zur Autobahn aus. Die A 40 verlief nun unter der Dorstener Str. hindurch. Die Bundesstraße 226 wurde ebenfalls mit vier Spuren und Abbiegerspuren ausgebaut. Damit verlor das Kirchgebäude den umgebenden Platz und lag nun mehr auf einer Verkehrsinsel. Auf fast allen Seiten ist die Kirche von ständig fließendem (nicht selten stehendem) Verkehr umgeben. Hinter hoch gewachsenen Bäumen war das Gebäude lange Zeit für die Vorbeifahrenden kaum wahrzunehmen. Seit 2007 mit zunehmendem Bewusstsein für die Denkmalpflege hat die Gemeinde die Hauptansicht (Südseite) der Kirche frei gelegt und wieder sichtbar gemacht.
Autobahnkirche RUHR an der A40
Im Jahr 2010 hat sich der Nachteil dieses Standortes in einen Vorteil umgewandelt. Seit dem Jahr der Kulturhauptstadt ab dem 30. Mai 2010 laden Schilder an der A40 die Vorbeifahrenden zu einer
„Rast für die Seele“ in die Epiphanias-Kirche ein. Die Gemeinde öffnet die Türen täglich von 8 bis 20 Uhr für Besucher als erste Autobahnkirche in Mitten des Ruhrgebietes. Als ökumenisches Anliegen wird es mitgetragen von Kirchen und Gemeinden in Bochum, unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen. Mit der handgemalten
Ikone von der Taufe Christi finden Christen aus orthodoxen Kirchen etwas Vertrautes vor. Wer die Autobahnkirche RUHR finanziell unterstützen oder dabei mitwirken will, findet im Trägerverein die richtigen Ansprechpartner.
www.autobahnkirche-ruhr.de.