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Station 11: Bochumer Verein für Gußstahlfabrikationen AG

Alleestraße
Luftaufnahme des Bochumer Vereins und der umliegenden Gebäude.
Der Bochumer Verein, um 1925. Am unteren Bildrand die Arbeitersiedlung Stahlhausen.

Der Bochumer Verein (1965 Verschmelzung mit der Friedrich Krupp Hüttenwerke AG, heute Thyssen Krupp Stahl AG) war das größte Unternehmen und zugleich der größte Arbeitgeber in Bochum.

Nach 1933 profitierte das Hüttenwerk mit nachgeschalteten Stahlwerken und Bearbeitungsbetrieben von der Rüstungskonjunktur und profilierte sich neben Krupp und Rheinmetall als führender Hersteller von Geschützen und Granaten. Der wirtschaftliche Aufschwung ging einher mit der Öffnung des Unternehmens für die NSDAP und ihre Gliederungen. Nationalsozialistische Organisationen gewannen durchgreifenden Einfluss auf die gesamte Belegschaft: Der Bochumer Verein wurde zu einem "Nationalsozialistischen Musterbetrieb".

Hermann Göring im Gespräch mit Dr. Ing. Walter Borbet. Im Hintergrund weitere Personen und das dahinterliegende Gebäude des Bochumer Vereins.
Hermann Göring besucht den Bochumer Verein, rechts Generaldirektor Dr. Ing. Walter Borbet, 9. Mai 1935

So war es sicher kein Zufall, dass eine Einheit der SA in den Räumen des Bochumer Vereins Unterkunft fand und die gnadenlose Verfolgung von Gegnern des NS-Regimesvor den Werkstoren nicht halt machte. Im Kosthaus Stahlhausen (an der Baarestraße), einem werkseigenen Wohnheim für ledige Arbeiter, die hier auch verpflegt wurden, befand sich eines der zahlreichen SA-Wachlokale. Im Keller des Gebäudes wurden politische Gegner gefangen gehalten, misshandelt und gefoltert.

Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte der Bochumer Verein Tausende von Zwangsarbeitern (zivile ausländische Arbeitskräfte, Kriegsgefangene und Häftlinge aus Konzentrationslagern) aus Westeuropa und Osteuropa. Der Bochumer Verein war damit der größte von der Zwangsarbeit profitierende Einzelbetrieb in Bochum. Noch Anfang 1945 setzte das Unternehmen weit über 7.500 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Sie lebten in Lagern, größtenteils unter menschenunwürdigen Bedingungen. Dies trifft besonders für die Menschen zu, die in einem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Werksgelände des Bochumer Vereins (an der Brüllstraße) untergebracht waren. Eine große Zahl der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiterverstarb während der Kriegszeit infolge von Unterernährung, Auszehrung, Mangelerscheinungen oder Misshandlungen.

Gestern und heute


Historische Außenaufnahme eines großen prunkvolles Gebäudes mit Giebeldächern und Vorplatz
Das Kosthaus des Bochumer Vereins an der Baarestraße, 1938. In dieser Form wurde es 1873/1874 errichtet. Auf dem Gelände steht heute die neue Feuerwache II Bochum-Mitte und ein ehemaliges Schulungsgebäude der Thyssen Krupp Stahl AG. Quelle: Stadtarchiv, Foto C. Fischer
heute: Gedenktafel für Louis Baare und Schulungsgebäude der VHS, Februar 2007
Gedenktafel für Louis Baare und Schulungsgebäude der VHS, Februar 2007
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