Freiheitsgedanke der Kunst
Dimiter Gotscheff erhält “Peter-Weiss-Preis”

Porträt von Herrn Dimiter Gotscheff
Unter Vorsitz von Kulturdezernent Michael Townsend hat die vom Rat der Stadt Bochum berufene Jury auf ihrer Sitzung am 10. April nach intensiver Diskussion den Regisseur Dimiter Gotscheff als diesjährigen Träger des “Peter-Weiss-Preises” der Stadt Bochum in der Sparte “Theater” bestimmt. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Der Jury gehören als Fachjuroren an: Sibylle Broll-Pape, Dr. Thomas Oberender, Dr. Arnd Beise, Andreas Wilink, Andreas Rossmann, Prof. Dr. Manfred Schneider sowie Elmar Goerden. Vertreter der politischen Parteien sind Monika Engel, Dr. Hans Hanke, Ulrich Küpper, Klaus-Peter Hülder, Hans-Otto Forth und Heinz-Jürgen Plagge-Vandelaar.

Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:

“Dimiter Gotscheff schaut mit dem Blick des Fremden auf die dramatischen Texte - auf Kleist, Büchner, Müller, Shakespeare, Tschechow oder zuletzt Aischylos - und auf die Körper seiner Schauspieler: Was er sieht und findet, sind Trümmerlandschaften. Sein ästhetischer Sinn und sein Formbewusstsein, sein grimmiger Humor, sein Geschichtspessimismus, und sein politischer Instinkt drücken sich aus in Choreografien des Untergangs, die ange-trieben werden von einer unerbittlichen Mechanik und im Banne von Heiner Müllers düster-barocken Prophetien und Totenklagen stehen.

Der Freiheitsgedanke der Kunst und ihr autonomer Anspruch bei gleichzeitigem Reflektieren gesellschaftlicher Zusammenhänge binden Gotscheffs Theater an eine Haltung, die uns Peter Weiss in seiner “Ästhetik des Widerstands” übermittelt hat.”        
Dimiter Gotscheff ist der dritte Träger des “Peter-Weiss-Preises” in der Sparte “Theater” nach George Tabori (1990) und Kurt Hübner (2000). Er wurde 1943 in Bulgarien geboren und arbeitet seit Mitte der 80er Jahre kontinuierlich an renommierten deutschsprachigen Theatern. Kulturdezernent Michael Townsend hob hervor, dass der Preisträger unter der Intendanz von Leander Haußmann - 1995 bis2000 - zum Leitungsteam des Schauspielhauses Bochum gehörte.

Gotscheff ist als Künstler, der nie sich selbst kommentiert und außerhalb des Theaters unsichtbar und stumm bleibt, ein rigoroser Freigeist und Querkopf. Ein Einzelgänger und Grenzgänger, der Anfang der 60er Jahre nach Ostberlin kam und im Theater des Benno Besson die ihn prägende Heimat fand, der die DDR aber nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 wieder verließ und nach Bulgarien zurückkehrte. 1983 wurde er dort mit seiner Inszenierung von Heiner Müllers “Philoktet” schlagartig berühmt. In der Folge arbeitete Gotscheff u.a. an den Bühnen in Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Wien, Hamburg und Berlin (Deutsches Theater und Volksbühne).

Gotscheff wurde mit mehreren seiner Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen, darunter mit Strindbergs “Fräulein Julie”, Tschechows “Iwanow” und im vergangenen Jahr mit Molières “Tartuffe”.

Auf die telefonische Nachricht über die Zuerkennung des Peter-Weiss-Preises sagte Dimiter Gotscheff hoch erfreut, er fühle sich außerordentlich geehrt, in einer Reihe mit Preisträgern wie George Tabori und Kurt Hübner zu stehen.